Autor: Astarte
E-Mail Adresse:
astarte@fan-arts.net
Titel: Paralyzing Kings
Altersfreigabe: NC-17
Teil: 1/1
Spoiler: AtS 2x22 There's No Place Like Plrtz
Glrb mit abgeänderter letzter Szene
Inhalt: Sich gezwungenermaßen zwischen
zwei Übeln zu entscheiden, ist kein Abkommen ohne Widerspruchsrecht.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Cordelia/Angel(us),
Angel(us)/Spike, Cordelia/Spike
Disclaimer: Sie gehören mir nicht... Alles Joss!
Kommentar: Die Sommer-Post-Apokalypse-Fic. Wenn der Winter in ‚Tracery on a frosted window’ mit Wes bittersüß und gesetzt war, dann ist der
Sommer mit Spike und Angel für Cordelia klaustrophobisch, verzweifelt und am
überkochen. Oder anders, man kann gegen diese Charakterisierung von Spike
argumentieren, aber ich finde sie angemessen angesichts der erlittenen
Verluste.
Paralyzing Kings
Briding a widow in spite of her venom,
I've failed to mention your soul -
Three becoming two.
~10 Years
- Paralyzing Kings~
Don't fret, precious, I'm here - Step away from the
window.
„Spike?“
„Was ist –
"
Angel
beendete deine halbgestellte Frage geschockt, „Es ist Buffy.“
Spikes brutales
Lachen hallte wie Scherben und Klingen durch die Lobby.
Traf dich
direkt zwischen die Augen. Hart an der Stelle hinter deiner Stirn, die
eigentlich für die Visionen reserviert war. Mit einer Effizienz, die seinem
Namen alle Ehre machte und an einen Stahlnagel erinnerte. Du taumeltest
getroffen einen Schritt zurück, bevor du die Übelkeit mühsam gefangen hattest,
die sein Lachen in dir ausgelöst hatte.
Spike war
ein zerknittertes Bündel auf der Theke liegend und er richtete sich langsam
auf. Schwang müde die Beine über die Kante. Du schaudertest bei seinem
ausgehöhlten Gesichtsausdruck. Der Vampir symbolisierte auf einen Schlag alles,
was je vom Schicksal gebeutelt worden war.
Die Leere
in seiner Stimme dröhnte in dir nach, denn seine Wahrheit verdiente sich ein
Echo - war todbringend, ruppig, „Nein, es ist jeder, Angel.“
Ihr ward
unentschlossen stehen geblieben und Spike holte eine gut platzierte
Whiskeyflasche hinter sich hervor. Überzogenes Lächeln, das dich an einen
Totenkopf erinnerte und automatisch näher an Angel rücken ließ.
Alarmiert
von eben diesem, „Wovon sprichst du?“
„Dem Ende
der Menschheit.“
Spike
trank einen Schluck, dann visierte er euch an, wie ihr euch wie ein Haufen
Hühner um den Hahn scharrten. Ein bellendes Lachen und diesmal warst du
vorbereitet auf die Reaktion. Kaschiertes dein Unbehagen mit einem Schritt auf
ihn zu. Behutsam, „Was geht hier vor? Erklär es uns.“
Spike
starrte dich nur aus toten Augen an.
Angels
Befehl war barsch, „Spike.“
Seine
falsche Gefügigkeit, die nur durch den Alkohol unterstützt wurde, „Du wirst sie
fallen sehen, Sire. Deine kleine Armee wartet bloß auf die Würmer. Lass uns
hoffen, dass es weniger als sechsunddreißig Stunden bedarf. Um ihretwillen und
danach können wir uns Gedanken machen, wie wir die Ewigkeit verbringen. Falls
du mir nicht vorher dem Pflock übergibst. Doch du bist nicht so gnädig, wenn
mein Gedächtnis mich nicht trügt.“
Spike sollte Recht behalten in jedem einzelnen Punkt. Jedoch
bestand noch die entfernte Möglichkeit, dass ihr in eine Höllendimension
zurückgekehrt ward. Zumindest erschein das unverfänglicher als die Alternative
–
Dass ihr tatsächlich daheim ward und nichts mehr wie es war.
Alles
passierte so schnell, dass die Hälfte des Teams tot war, bevor ihr Sinn in
Spikes Aussage bringen konntet. Nicht tot. Wes und Gunn litten noch für drei
Tage, um Atem ringend und am Ende mit einem schleimigen Husten ihren letzten
ausstoßend. Du warst in den finalen Stunden die unnütze Krankenschwester, die
keine Linderung bringen konnte.
Nichts
präsentieren, was es erträglich machte oder nicht so verdammt erschütternd.
Da war
ein Weltuntergang in Gange, dem ihr hilflos gegenüberstandet.
Pandemie
und mit verkehrter Tödlichkeit der Spanischen Grippe. Neun von zehn Erkrankten
starben und Fred fixierte mit großen Augen die News-Sendungen,
die panischer wurden. Neue Gesichter ersetzten die alten in rasender
Geschwindigkeit, bis nur noch das Störsignal gesendet wurde.
Das war
zu dem Zeitpunkt, als du Wesleys Augen geschlossen hast.
Angel
hinter dir stehend und ohne die Chance, um Buffy zu trauern. Der Schock in
deinen Knochen setzte sich qualvoll, als du den Benzinkanister aus dem Plymouth
geholt hast und gegen das Ersatzrad gelehnt zusammengebrochen warst. Denn es
wurde Zeit die zu flachen Gräber auszuheben. Spike hatte zu viele davon geschaufelt
in den letzten Tagen, um Hilfe zu sein. Ein zitternder Haufen in der Lobby, der
es eigentlich besser gewusst hatte, als sich mit Sterblichen zu umgeben und
trotzdem unfreiwillig in deren Mitte gelandet war.
Seltsam
ruhiger Zuhörer für Freds gewundene Monologe.
Du hast
Gunns Füße fester gepackt, als sie ihn fragte, warum ihr beide nicht davon
betroffen ward. Kuriose Faktensammlerin, „Frauen sind nicht immun, oder Spike?“
Der Laut,
den er von sich gab, war der eines tödlich getroffenen Tieres. „Nein, Frettchen, das seid ihr nicht.“
Damit
hatte Fred ihren Spitznamen und du warst instinktiv Angels Augen ausgewichen.
Die Panik
darin hast du so gut es ging ignoriert, denn sie anzuerkennen, hätte geheißen,
deine Furcht zu zulassen. Sein bohrender Blick glitt weiter zu seinem Childe. Was immer er auch dort fand, es war Grund genug,
dass er euch im Hyperion verbarrikadierte.
Das
Hämmern und Nageln hielt dich für zwei Nächte wach. Zusammen mit der Totenstille
der Stadt. Dämonenherden begannen in der nächsten lauthals in den
Häuserschluchten zu wüten. Das war es, was dich in der fünften Nacht zurück in
LA, den Schlaf gekostet hatte. Trotz Erschöpfung. Zusammen mit Freds stummes Weinen
in deinen Armen und Spikes unruhigem Blick.
Ihr ward
zu verwundbar in dem riesigen Komplex aus Fensterfronten und Türen, die das
Hyperion plötzlich auszumachen schienen. Es würde nie zu der Festung werden,
die Angel im Sinn hatte. Zumindest nicht gegen den Höllenansturm, der draußen
auf euch wartete. Die Dämonen scheuten nicht mehr das Tageslicht und es gab
genügend Sorten, die dagegen immun waren. Die Packs streiften um das Hotel, als
ob sie den Todesgeruch müde wurden und der von Lebenden auf Meilen nicht mehr
auszumachen war.
Dein
Griff um die zierliche Fred wurde unweigerlich stärker
und vergessene Gebete rieselten von deinen tauben Lippen. Dir war nicht bewusst
gewesen, dass sich das ‚Vater unser’ in deinem Repertoire befand, bis Spike verhalten
in deine Worte einfiel.
Einen
seelenlosen Vampir beten zu hören, war nicht Angst einflößender als die näher
kommenden Explosionen unter den unbeirrt gellenden Autoalarmen. Den kreischenden
Sirenen, die keiner abstellte, weil Besitz das letzte war, um das man sich gerade
scherte.
Aber es
war ein haarscharfes Finish, das dir die Nackenhaare aufstellte.
Go back to sleep – Safe from pain and truth and choice
and other poison devils.
Angel
pfählte beinahe Spike, als er euch zwei in der sechsten Nacht zurück beim
Rauchen erwischte. Dein Husten Grund genug, um ihn vier Stockwerke über euch auf
dem Dach aus der Starre zu lösen, die seit gestern über ihm lag. Ein
Panikanfall, der fast Spikes Hals kostete.
Deine verdammte
Hysterie angesichts des glutweißen Jähzorns, maßlos überfordert, „Hör auf, Angel – Gottverdammt, lass ihn los!“
Ihn zurückzureißen
war gefährlich. Ein Pittbull im Blutrausch. Du warst
zwischen ihm und seinem Kauspielzeug, das er knurrend gegen die Wand genagelt
hatte. Das wurde dir spätestens klar, als du krachend gegen den Couchtisch
flogst. Womit Angel aus dem schlimmsten Affekt draußen zu sein schien. Über dir
kniend, vorsichtig den Arm begutachtend, den er Sekunden vorher so gut wie
gebrochen hatte.
„Ouch, lass das.“ Nicht in Stimmung für Tauziehen, den Arm
behutsam gegen deinen Oberkörper gedrückt. „Angel.“
„Ich muss
mir das ansehen, falls es geschient werden muss.“ Angespannt von Angel, „Komm
schon, du weißt das, so gut wie ich.“
Das hieß
nicht, dass es weniger schmerzhaft war, nur weil es getan werden musste.
Nichtsdestotrotz
die letzten Tage hatten dir genügend Gelegenheit geboten, um dich mit der
verhassten Notwendigkeit anzufreunden. Angel überprüfte den Knochen mit einer Geübtheit,
die gruselig war. Du hast versucht, dir die Beklemmung nicht anmerken zu
lassen, die seine sorgfältigen Finger auf deiner Haut verursachte.
Die
Gänsehaut war auch so für ihn deutlich genug.
Nachdem
er die Schwellung eingehend abgetastet hatte, kleinlaut von dir, „Ist der
Sadist in dir zufrieden gestellt?“
Er
blickte hoch, undefinierbarer Ausdruck, eindeutige Aussage, „Du willst meinen
Sadisten nie kennen lernen, Cordy. Und ich glaube nicht, dass du eine Fraktur
hast. Obwohl deine Dummheit sie sich eigentlich verdient hätte. Spike heilt in
sechs Stunden, du brauchst sechs Wochen. Tu mir also den Gefallen und wirf dich
zukünftig nicht dazwischen, wenn für uns Vampire handfester Klärungsbedarf
besteht.“
Ungläubig,
„Soll ich etwa zusehen, wie ihr euch zerfleischt?“
„Es wäre
keine Premiere und wir sind beide noch hier. Unsere Buffer offensichtlich
nicht, was sagt dir das?“
„Dass ihr
eine ziemlich kaputte Familie seid?“
Schnaubend
von Spike, „Dysfunktional ist von uns definiert
worden. Das Familienporträt ist direkt neben dem Eintrag im Lexikon.“ Mit Blick
auf Freds riesige Augen, seine Bosheit drosselnd, „Natürlich übertragen
gesprochen.“
Ihre
hibbelige Energie in ein gehauchtes, „Oh, gut?“, eingefangen.
Missbilligend
von Angel, in erster Linie für dich bestimmt, „Du rauchst nicht, Cordelia. Was
denkst du dir dabei?“
Seine
Wertvorstellungen waren so überholt. Du ersticktest in Fäulnis und der Rauch
war Ablenkung. Das Aroma deine Sinne einschränkte auf den Moment und dir war es
egal, ob es dein Leben verkürzen würde, denn ernsthaft?
Dass du
älter als der nächste Monat werden würdest, war dahingestellt.
„Yeah,
hast du in den letzten Tagen geatmet, Angel?” Ein verwirrter Blick und dann sein
Kopfschütteln, „Sag mir noch einmal, dass dein Sinne so verflucht übernatürlich
ausgeprägt sind, wenn du den gottverdammten Verwesungsgeruch ausblenden kannst.
Mir bleibt nicht der Luxus, die Luft anzuhalten, ohne dass mein Teint
unvorteilhaft blau anläuft.“
Es war
nicht nur der kalte Rauch aus dem Vorgarten von Wesley und Gunns provisorischen
Scheiterhaufen. Sondern die gesamte Stadt schien sich in der brütenden
Sommerhitze wie eine überreife Leiche aufzublähen. Das bevorzugte
Dämonenbuffet. Schlaraffenland für alles, was bisher in den Schatten vegetierte
und dir war kotzübel.
Kurios
von Angel, „So deine Lösung ist blauer Dunst?“
Sehr
betont von dir, so dass Angel die Fakten endlich kapierte, „Dein Problem war
mein Husten, Angel. Ausgelöst durch eine Kippe und kein Killervirus, soweit ich
eine Diagnose ziehen kann. Mein Problem war, dass du deine Wut an Spike
ausgelassen hast, wenn ich wunderbar Rede und Antwort stehen kann.“
Ihn und
seine Betroffenheit zurückstoßend, warst auf die Beine gekommen, über ihm
thronend, „Wir müssen aus LA raus. Am besten gestern noch.“
„Wie
stellst du dir das vor, huh?“ Angel stand auf, gerader Rücken und du legtest
automatisch den Kopf in den Nacken, als er dicht vor dir zum stehen kam. Die
Bedrohung langsam formulierend, die euch draußen erwartete, „Die Straßen sind
blockiert mit liegen gelassenen Autos. Zu Fuß ist zu gefährlich, vor allem weil
wir nur nachts weiterkommen. Wir stecken mitten in einer Kriegszone fest, Cordy.
Es sieht von oben schon beschissen aus und ich habe keinen Bock mich mit zwei
Desserts da durchzukämpfen. Wir brauchen mindestens zwei Wochen, um allein aus
der Innenstadt raus zukommen und dafür reichen eure Kraftreserven schlicht
nicht aus.“
Die
Bezeichnung Dessert gefiel dir gar nicht, auch nicht dass Angel sich so sicher
war, wo eure Belastungsgrenze war. Noch viel weniger die Aussicht, dass der
Vampir es nicht einmal in Erwägung zog, dass er euch auf offener Straße
schützen konnte. Da war eine verdeckte Verzweiflung in seiner Miene, die dich
unruhig machte, obwohl du sie nicht genau platzieren konntest.
Du hast
geschluckt, vortastend deine Hand auf seinem Arm, „Was sonst noch?“
Spike hinter
dir hörte sich objektiv an, „Brände im Osten. Sie sind bereits gelangweilt vom
Tod.“ Angel nickte grimmig und du hast dich seinem Childe
zugedreht, als der weiter ausholte, „Der Wind steht gut für uns. Also wie lange
bis die Flammen uns erreichen?“
„Zwei
Tage, vielleicht drei. Wenn die Dämonen hier nicht nachhelfen.“
„Das
werden sie. Wir würden es an ihrer Stelle tun, du weißt das.“ Spike teilte
einen langen Blick mit Angel, einigend, „Die Kanalisation?“
„Sicherer
als die Straßen allemal und wir können es in ein paar Tagen raus schaffen.“ Angel
mit einem neuen Ziel, energisch, „Packen wir das wichtigste zusammen und dann
los, Richtung Norden.“
Du hast
die Photoalben geplündert, versucht dein Leben in einen Rucksack zu packen.
Das
Unterfangen war leichter, als du dir jemals zugetraut hättest. Vielleicht hatte
das viel mit dem Verlust deiner letzten Illusionen zu tun, dass es für euch ein
gutes Ende geben würde. Dass dieses Wagnis von Erfolg gekrönt war und dein
Ursprung nicht mit Benzin von dir in zu flachen Gräbern in Brand gesteckt
worden war. Das Hyperion war ein Krematorium deiner
Träume geworden und du hattest keinen Blick zurück übrig, als du gingst.
Deine
Hand fest mit Freds verschränkt und du warst nicht in der Lage zu führen.
Vielleicht
hättest du ihr sagen sollen, dass sie sich nicht auf dich verlassen soll.
Vielleicht
wusste sie es.
See, they don't give a fuck about you, like I do.
Die
Kanalisation hatte sich an und für sich nach einem guten Fluchtplan angehört.
Bis euch
klar wurde, dass es tatsächlich Menschen gab, die für das Abwassersystem
zuständig waren. Ohne dass sie ihrem Job nachgingen, ein Großteil der Gänge
plötzlich unter schleimigem Wasser lag, das Fred und dir mit dem ätzenden
Gestank den Atem nahm. Unter Tage gab es für euch auch kein Entkommen und LA
war zur Falle geworden in der ihr feststecktet. Plan A wurde gestrichen und
Angels Plan B beinhaltete einen Atombunker, der zu Beginn des Kalten Krieges in
der Nähe des Hyperion eingegraben worden war und dementsprechend vergessen war.
Die
Anlage war groß genug. Für Dutzende von Menschen ausgelegt und mit nur einem
Zugang. Die verbarrikadierten Lüftungsschächte konnten geschlossen werden,
falls sich irgendwer durch den dicken Stahl in den schmalen Rohren kämpfen
konnte, dann würde Kontaminierungsalarm ausgelöst.
In der
veralteten Theorie aus den Fünfzigern.
Nach
einem kurzen Gespräch mit Fred, ließen es die Vampire auf einen Probelauf
ankommen, um die Ventilationsschächte zu schließen. Freds Rechenergebnis mit
mehreren Jahrzehnten Sauerstoffvorrat innerhalb des Komplexes für euch zwei,
beendete den Versuch mit geschlossenen Luken. Der Sicherheitscode, um die
Schutztür von außen zu öffnen, war das Datum eurer Rückkehr.
Das
Geräusch, als das Metall einrastete, erinnerte dich an Sargnägel.
Das
Hämmern deines Herzens ohrenbetäubend im Vordergrund.
Du hast
Angels Zuversicht trotzdem geteilt, denn du wusstest es nicht besser.
Dieses
Versteck war ziemlich perfekt für einen Notfallplan dieses Ausmaßes. Inbegriffen
waren sogar Generator, Dosenfutter und Wasserflaschen, deren
Mindesthaltbarkeitsdatum dich davon träumen ließ, dass ihr
zwei Mädels hier drin ein hohes Alter erreichen konntet. Natürlich waren keine
Blutkonserven vorrätig. Was dich ein wenig fahrig machte, bis Spike sagte, dass
sie sich problemlos von Vamps ernähren konnten.
Die waren
essbar, wenn auch nicht unbedingt genießbar.
Was für etwa
zwei Monate klappte, bis sogar die Vampirpopulation dünner zu werden schien. Der
Aggressionspegel zwischen Spike und Angel rapide anstieg. Es zur Tagesordnung
wurde, dass von ihnen sinnlose Streits vor dem Zaun gebrochen wurden, die dich
verdutzt zurückließen. Keinen anderen Zweck erfüllten, als die Hierarchie
abzuklären oder Langeweile zu überwinden. Jeder fühlte die eingegrenzte
Bewegungsfreiheit und deine Vorstellungskraft reichte nicht, um das Bunkerleben
in ein spannendes Abenteuer zu verwandeln.
Das
System aus Gängen, Schlafsälen und Sanitäreinrichtungen war zu schnell
erschlossen. Dein Zimmer war ein geplantes Führungsbüro, falls die Bomben
jemals fallen sollten. Die Büros, die einzige Räumlichkeiten waren, die nicht
vorwurfsvoll fragten, wo der Rest der Stadt blieb. Ihr habt euch dort
einquartiert. Separate Räume, mehr Rückzugsgebiet als ein Zuhause, trotz der
Photos, die du sorgfältig an der Wand neben deinem Feldbett arrangiert hattest.
Schnappschüsse einer toten Vergangenheit und du hast
Angel um Kerzen gebeten, als du das elektrische Licht nicht mehr sehen konntest.
Die zwei Vampire
hatten wenigstens noch ihre Beutezüge außerhalb.
Ihre
Dämonen schwammen an der Oberfläche. Nebenwirkung ihres umgestellten Ernährungsplanes
oder was auch immer. Der Wandel war nicht zu leugnen, wenn auch nicht rasant.
Eventuell warst du zu passiv in diesem Zeitraum. Zu sehr beschäftigt dein
seelisches Gleichgewicht zurück zu gewinnen, ohne deine menschlichen
Vertrauten. Die Trauer um Gunn und Wesley zu zulassen, hatte dich genug Kraft
gekostet. Deine eigenen Sorgen bestanden hauptsächlich aus den näher rückenden
Betonwänden in deinem Kopf.
Dass du
Fenster und Türen nach deiner einen Horrorwoche im Hyperion vermissen würdest,
war unerwartete Folge des kompletten Mangels davon. Nur eine Uhr mit Datum, um
dein Tagesgeschehen darum zu arrangieren und du hast die Sonne begehrt, auf
eine Art, die fast qualvoll war. Zuviel Verständnis für Angels Handicap in dir
weckte und dich hilflos die Decke über deinem dünnen Feldbett anstarren ließ. Grau
in grau. Das fahlgelbe Licht der Korridore kontrastierte nur mit den Neonröhren
und Kerzenschein.
Ungefähr
um diese Zeit, war von Fred nicht mehr viel zu sehen.
Sie
verbrachte ihre gesamten wachen Stunden damit, die Gemeinschaftskantine mit
Formel zu verschnörkeln, die keiner außer ihr verstand. Spike saß rauchend in
einer der hinteren Reihen, wenn er nicht gerade auf Beutezug war. Du hast deine
Zeit in der Minibücherei verbracht und jedes noch so schlechte Buch durchgelesen,
um nicht über die tote Stadt nachzudenken, unter der du in einem grauen Sarg begraben
warst.
Diese
Strategie funktionierte für eine lange Zeit, bis dir auffiel, dass die Vampire
um euch herumschlichen wie räudige Kater. Yeah, das war der Zeitpunkt, als du ernsthaft
nervös geworden warst und die Wände ihren abstrakten Angstfaktor verloren. Die
aufblitzenden gelben Katzenaugen in den dunklen Korridoren sehr konkret wurden.
Du die
Alternativen begonnen hast durchzudenken.
Nur um nüchtern
festzustellen, dass du keine hattest.
Counting bodies like sheep to the rhythm of the war
drums - Go back to sleep.
Deinen
Mut zu sammeln, dauerte dennoch ein paar Tage.
Aber Zeit
war relativ, wie dir Fred sicher hätte eingehend erklären können, nur wolltest
du es nicht wahrnehmen. Nicht dieses spröde Gummiband, das sich in deinem
Inneren zog und zog und zog. So anspannte bis das Reißen nur eine Frage der
äußeren Umstände war. Es eine nicht zu verhindernde Tatsache wurde und du dir
darüber klar warst, dass es nicht nur eine abgefuckte Analogie war, sondern
dein Verstand, der tagtäglich auf die Probe gestellt wurde von der
Unverwandelbarkeit deiner Aussicht.
Vielleicht
war es besser deinen Ängsten direkt zu begegnen und keine Harken zu schlagen.
Still zu halten. Abzuwarten, ob Angel Entspannung bieten konnte und nicht nur
deinen Herzschlag auf Hochtouren bringen, wenn er wie ein todbringender Schatten
aus der Dunkelheit auftauchte. Dich mit seiner schieren Gegenwart erschlug und
dem Dämon. Du hast mit dir argumentiert, dass es leichter wäre seine Gier zu
stillen, als zu versuchen ihm ewig auf beengtem Raum aus dem Weg zu gehen. Du
hast Abschirmung bereits hinter dich gebracht und es hatte nichts genutzt, nur
die Tür für deine Alpträume aufgestoßen.
Abgestumpft
von dir, „Was erwartest du von mir?”
Es hörte
sich wie ein Geschäftsvorschlag an und du meintest es auch so.
Angel
blickte von der vierzig Jahre alten Times auf und lehnte sich träge zurück. Die
Musterung war nachhaltig, keine Verlegenheit seinerseits. Das Angebot wurde erwogen
und du warst trotzdem von seiner Reaktion erstaunt. In irgendeinem Winkel
deines Kopfes hattest du dir seine Verweigerung erhofft. Dass du dir zuviel in der
erdrückenden Tristesse eingebildet hattest und er dir nur ein überfordertes
Lächeln schenken würde, anstatt dich als Appetitehäppchen gutzuheißen.
Die
Bestätigung blieb aus, dass ihr das gemeinsam in vertrauten Rollen durchstehen
würdet. Ohne Veränderungen. Denn es war ziemlich lange her, seit du den letzten
Brief für A.I. aufgesetzt hattest. Oder eine Vision empfangen. Oder auch nur mit
ihm geredet.
Verdammt
lange. Zu abgeschottet in eurer Trauer.
Die
Menschheit zu verlieren war mehr als ihr offensichtlich ertragen konntet und
sie in dunklen Gängen wieder zu finden, hatte nichts von seinem surrealen
Charme verloren. Euer Innenleben war chaotisch genug, ohne dass ihr euch an
Regeln orientieren konntet, die einmal wichtig gewesen waren. Die Welt bestand
aus grauem Beton und Bernstein unter dem ärmellosen Trauergewand. Angel trug
noch immer Schwarz, wenn auch keinen Mantel und sein Heldenimage hatte auf mehr
als eine Weise gelitten.
Du eine
ausgeleierte Jeans mit Wesleys Hemd und Gunns T-Shirt.
Nicht
gerade Eva und frische Äpfel waren etwas für das du töten könntest.
Notdürftig
versorgt und es stellte euch auf dieselbe Stufe, wenn der Hunger auch unterschiedlich
motiviert war. Ein beschlagenes Silbertablett auf dem du dich serviertest und
du warst irgendwann in den letzten Monaten für ihn tatsächlich zu einem Dessert
degradiert. Er brauchte dich nicht zum Überleben, dass er dich wollte, war wie
das Verlangen nach Süßem. Unbestimmt und trotzdem elementar.
Ein
Impuls, dem er trotz Vampdiät nicht widerstehen wollte. Oder gerade deswegen.
Mäßig
interessiert von ihm, „Was bietest du?“
Der Dämon
war dieser Tage so dicht unter der Oberfläche, dass er nicht einmal versuchte
ihn zu verbergen. Er wich dem Thema nicht aus, stellte sich nicht dumm oder
verhedderte sich in Kontroversen, um humaner zu erscheinen. Es machte ihn kälter
und dich angreifbar. Seine Regeln und falls ihm eines deiner Limits nicht
gefiel, musstest du darauf hoffen, dass er dir gegenüber gnädig war. Nicht
gerade seine hervorstechende Eigenschaft laut Spike, aber du warst nicht sein Childe und Blut noch nicht das, was euch verband. Da waren
andere Bande, auf die ihr euch besinnen solltet, aber die erschienen zu
abstrakt, um ultimativ Schutz zu bieten. Der Kompromiss wünschenswert, wenn es
seine gelben Augen endlich von deinem Pulspunkt nehmen würde in der übrigen
Zeit, in der ihr euch nichts zu sagen hattet.
Dein
Selbstbewusstsein eine dünne Front, „Mein Blut.“
Egal wie
cool er sich geben wollte, die Gier kam durch, „Für?”
„Keine
Gewalt.”
Er hörte
sich befriedigt an, „Das lässt sich mit deinem Körper im Mix arrangieren.”
Verblüfft
von dir, „Du willst Sex?“
„Zerbrich
dir nicht den Kopf, Cordy. Es gehört dazu, glaub mir.“
Der
Kontrast zu dem nackten Hunger in seinen Augen erschreckend klar und dein Herz sackte in deine Beine. Zitternde Knie und ein Fluchtinstinkt,
der dich wie ein schlechtes Horrorfilm-Klischee schreiend durch die schummrig
beleuchteten Gänge jagen wollte.
Er würde
dich garantiert einholen, darüber warst du dir bewusst.
Angel
hatte diesen Fluchtplan in erster Instanz ausgetüftelt.
Deshalb
warst du hier und gabst dein Einverständnis vorab, um dir diese schäbige Darbietung
zu ersparen. Du hast genickt, schleppend auf ihn zugehend, als ob eine
Tonnenlast dich zurückhalten würde und nicht nur dein Misstrauen.
Angels
entspannte Position täuschte keine Sekunde über den Räuber in ihm hinweg.
Zögernder
Nachtrag von dir, „Gilt dein Schutz auch für Fred?“
Angel zog
dich an seinen Stuhl, „Falls es dir nicht aufgefallen sein soll, sie hat
bereits einen Protektor.“
„Spike?“
Er gab
seine Zustimmung und du hast bedauernd die Augen geschlossen, weil du das nicht
früher gesehen hast. Zu abgelenkt in deiner Depression, um es zu verhindern.
Zu
gefangen in deiner Misere, um mehr als vages Bedauern zu empfinden.
Denn Fred
kam aus Pylea, wo Dämonen die Herrschaftskaste
ausmachten. Die andere Frau hatte fünf Jahre Zeit gehabt, um Dämonen,
Hierarchie und ihre schwache Menschlichkeit zu analysieren. Zu entrückt, um
sich in diesem Bunker in Illusionen zu verfangen, wo genau sie auf der
Speisekarte stand. Bloße Hors d'œuvre. Gourmethappen.
Nichts
das jemals satt machen konnte, trotzdem die Lust auf Überleben wecken.
Deine
Stimme brach, „Weshalb hat sie sich nicht an ihren grandiosen Ritter gewandt?“
Gnadenlose
Unwiderlegbarkeit von ihm, „Manche Märchen benötigt man zum Überleben. Der
Verlust von anderen kann einen genauso schnell töten, wie der Biss eines
Vampirs. Fred weiß, dass ich nicht ihr Retter sein kann.“
„Angel?“
Deine Finger in seinem Haar, seinen Blick suchend. Die Gewissheit verlangend,
die du nicht aufbringen konntest, „Das ist nicht unser Verschulden.“
Das Oder? hing schwer in der Luft zwischen
euch. Er schüttelte betreten den Kopf, als ob er dich in Monaten das erste Mal
sehen konnte für das, was du warst. Eine Frau, die gerade die Einundzwanzig
hinter sich gelassen hatte. Keine Lichtgestalt mit holprigem Puls, die mit den
Schatten verschmolz.
Sanft von
ihm, „Nein, nur das hier ist unseres, Cordy. Ein vergleichsweise geringes
Vergehen zum Gottesgericht.“
Pure
Skepsis, die Finger unter seinem Kinn, „Glaubst du das?“
„Was? Das
Gott so strafen würde?“ Seine Mitteilsamkeit war selten so in ihm ausgeprägt, dass
er deine in den Schatten stellen konnte, aber für diese Minute war Angel eine
verdammte Eklipse, „Warum nicht, Cordy. Es hat ihn vorher schon nicht
sonderlich interessiert, wer hier unten die Oberhand hatte. Was ist da eine
weitere biblische Plage? Im großem Schema. Ein winziges Leck in irgendeinem
Hochsicherheitslabor, mehr bedarf es nicht, um die Karten neu zu mischen.“
„Sag das
nicht.“
Denn du
wolltest es nicht höre. Wirklich nicht.
Angel sah
aus, als ob er dir all seinen angestauten Frust an den Kopf werfen wollte. Bis
seine Hände sich lockerten und er den Atem mit einem angestrengten Stoß
entließ. Er sich wieder fing, noch bevor er die Fassung verloren hatte und das
zurückkämpfte, das ihm eigentlich zum Protektor machte. Den Dämon und sich auf
den Mann besann.
Ohne all
den Dreck, der auf der Seele lag.
Der Annäherungsversuch
ungewohnt auf seiner Zunge, „Willst du kandierte Lügen hören? Ich hätte dich
nicht so eingeschätzt.“
Deine
Hoffnungslosigkeit brach durch, „Ich habe den Thron von Pylea
hierfür eingetauscht und ich weiß nicht, ob Lorne
überhaupt noch lebt.“
Sein
Lächeln wurde brüchig, durchscheinend, „Er hatte die Bücher und den Hotspot im Caritas. Lorne ist
beneidenswert und zurück in Pylea.“
Die verschlossene
Miene absuchend, Angel war ein miserabler Heuchler, „Hast du seine Leiche
gesehen?“
„Keine
süßen Lügen dann?“ Er schloss die Augen, „Ja. Ein Mob hat ihn in Stücke
geschlagen.“
Du warst
sprachlos.
Den einen
Schritt gedankenlos nehmend, der nötig war, um sein Gesicht gegen deinen Bauch
zu pressen. Deine Umarmung war fest. Angels Trauer war langsam durch Gunns Shirt gekrochen, lautloser Verlust und du hast die Augen
geschlossen. Versucht dir Lornes beschwingtes Lächeln
vorzustellen und das Glühen seiner rubinroten Augen. Die Unbesorgtheit, die er in
sich trug wie ein Schild, solange du ihn gekannt hast.
Die ihn
nicht vor allem schützen konnte, aber dem meisten.
Unrelevant,
ob es Dämonen oder Leute waren, die ihn lynchten. Die Details seines Todes musstest
du nicht wissen, um den derben Rückschlag verarbeiten zu können. Diese Realität
forderte ihre Opfer und es waren Könige übrig, die es schachmatt zu setzen
galt. Nicht nur deine paralysierten Erinnerungen an ein begehrenswertes Vorher.
Eingefroren in Blitzlicht und dem fernen Klang von Lachen. So weit von der
Gegenwart entfernt, dass du nicht wusstest, ob es je mehr als deine Einbildung
gewesen war, die es perfekt erscheinen ließ. Denn dein Leben war nicht so gut
gewesen, egal was dein Gedächtnis dir an Gegenbeweisen gab. Sterben war schon
vorher ein Teil gewesen, nur war es jetzt alles. Nur noch Skelette, die in vernichteten
Heimen über euch lagen. So wie deine unerschütterliche Zuversicht abgelaufen
war, dass ihr das Böse unter Kontrolle hattet, wenn schon nicht die Menschen.
Hohle
Stimme, „Hast du ihn beerdigt?“ Angels Nicken gegen deinen Bauch. „Gut. Das ist
gut, Angel.“
Du
wolltest dich an ihn erinnern. Lornes Moral und
Zuversicht.
Irgendeinen
Lichtblick, aber die Finsternis war alles was du sehen konntest.
Dein
Daumen kreiste gegen Angels Nacken. Vergessene Versprechen und ein Teil von dir
brach lautlos unter der Erkenntnis zusammen, dass
Angel alles war, was dir von deinem alten Leben geblieben war. Verformte Bande,
die unter der Belastung nicht gerissen waren und sie hätten es tun sollen.
Nicht so lange halten und ihn zurück in dein Leben zu lassen, zeigte nur wie
schlecht es um euch stand. Seine Finger sich letztendlich auf deinen Gürtel
besannen. Die Jeans kein Schutz bot und du hast Wesleys Hemd verloren, Gunns Shirt, deinen BH. Angel näher gezogen. Dich auf seine
Lippen gegen deine Haut konzentriert. Die Brüche, die sich durch dein Inneres
zogen und zu viele Emotionen in dir Hochkochen ließen. Dein Herz war schutzlos
und du zu ausgetrocknet für Tränen.
Dein
Körper nicht, fiel unbesorgt in Angels Führung.
Seine
Hände, die Suchraster auf deinem Körper zeichneten. Dich methodisch
erschlossen. Neue Grenzen markierten und den Abgrund in dir weiter aufrissen.
Dein
Widerspruch blieb drinnen.
Angel
hatte es dir zu einfach gemacht, wenn er ihn vernommen hätte.
Trost
hatte dein Herz erweicht, bevor er zum Angriff ansetzte. Dann waren Angels
Lippen auf deinem Hüftknochen, ohne deinen Mund vorher in Anspruch zu nehmen
und es fühlte sich gut an, als er den Slip abstreifte. Fühlte sich nach Lossprechung
an und dein Becken kam ihm entgegen. Deine Sinne waren nicht angefüllt mit
Fäulnisgeruch, sondern ihm und Leben. Falscher Erneuerung althergebrachter Einigkeit.
Es war in Ordnung für den Moment.
Sein schroffe
Instruktion unnötig, du warst entspannt. Du warst bereit ihn willkommen zu
heißen. Du wusstest, dass das deinem Schutz diente und seinem und all dessen,
was ihr verloren hattet und an das ihr euch erinnern solltet. Das nicht
verloren gehen sollte in grauen Gängen und der Enge, die euch auferlegt war.
Das Beben
rumorte tief in deinem Bauch.
Ferne
Stimme, die dich aus deiner Passivität aufweckte, als dein Kartenhaus mit einem
geseufzten Angel einbrach. Er ließ
dir Zeit sich an seine Zunge auf deiner summenden Haut zu gewöhnen. Seine
Größe. Den Kollaps in einen Höhepunkt zu kanalisieren. Als er später dein Leben
blutig an die Oberfläche gebracht hatte, war es halb so schlimm. Du hattest
fast vergessen, dass das euer eigentliches Hauptanliegen gewesen war und nicht
nur seine Art zu kommen.
Sein
Monster hatte irgendwie den Schrecken angesichts des puren Horrors verloren.
Du bist nicht
für Angel gefallen, aber mit ihm.
I’ll be the one to protect
you from your enemies and all your demons.
Der Tag,
an dem Fred sich das Leben nahm, kam etwa fünf Wochen später.
Der Tag war
unspektakulär. Ihr blutiger Schriftzug, Ich
bin daheim nicht.
Du hast
solange kontrolliert durch die Nase geatmet, bis das Zittern in deinen Händen
genug nachließ, um die Brause aufzudrehen und den verdammenden Satz
wegzuwaschen. Hast dich unter das fließende Wasser gesetzt und ihre geschlossenen
Lider angestarrt. Dir all die Dinge in Erinnerung rufend, die du ihr
versprochen hattest zu zeigen. Du hast es noch nicht mal geschafft, ihr Tacos zu servieren und zu was für einem miserablen
Reiseführer machte dich das?
Angel
fand dich und du warst dankbar für die kleinen Gnaden.
Er
übernahm die beschissene Aufgabe, den Pulsader-Vorfall seinem Childe schonend zu erklären. Spikes markerschütternder Schrei
hallte durch die Korridore und du hast dich nur weiter gegen die Fließen
zusammengekauert. Geschockte Totenwache für eine Frau haltend, die im Grunde
nur Tacos wollte und zu ihrem Ursprung zurück. Nie
ihre Heimat wieder gefunden hatte und Spikes Trauer war ein verdammtes Tier. So
ungeschützt und gefährlich, mit ihr schluchzend in seinen Armen und Angel stand
hinter ihm. Dich anvisierend und du hast kraftlos den Kopf geschüttelt, warst
komfortable genug und nicht in akuter Notlage.
Im
Gegensatz zu Spike, dessen Sicherungen auf feuchten Fließen offen lagen.
Der zu
früh die nächste Frau beerdigen musste.
Angel
konnte würdevoll sein in Situationen, in denen du es ihm nicht zutrautest. Er
ließ sich hinter Spike nieder. Vorsichtiges Vortasten, leises Flüstern, das
unter dem Rauschen der Brause unterging und Spike beruhigte sich nach und nach.
Fiel schließlich nach gefühlten Stunden in die Arme seines Sires.
Bei ihrem Anblick rastete die fehlende Verbindung ein, du warst wachsam auf
Spike mit steifen Gliedern zu gekrochen. Deine Hand war behutsam auf seinem
Oberarm, bloße Ankündigung deiner Gegenwart. Angel hatte auch Trost notwendig,
so wie du. Warst in Angels Seite verschwunden und hast versucht die verbotene
Formel zu vergessen, die Fred sogar für dich verständlich zurückgelassen hatte.
Ihr ward
daheim. Daheim. So unglaublich es sich anhörte, du glaubtest ihr.
Dass das
dein Zuhause war und nicht die Parodie davon in einer Höllendimension.
Jeder Tag
im Bunker war eine Karikatur und mit der Tristesse, die Wochen zusammenbluten
ließ, konntest du noch nicht einmal genau sagen, ob Fred sehr viel länger als ein
halbes Jahr durchgehalten hat. Den Wecker hattest du in hilfloser Rage
irgendwann gegen die Wand geknallt und Angel nie den Auftrag gegeben dir einen
neuen zu suchen.
Freds
Selbstmord hatte nichts mit Spike zu tun. Du hast das gewusst.
Er auch,
ohne dass es an der glimmenden Schuld in seinen Augen einen Deut änderte.
Es hatte
mit den Wänden zu tun. Dem grauen Beton, der Fred verrückt machte.
Ihr
letztes Märchen hatte sie ohne eure Hilfe mit Physik gelöst und es war
tödlicher als ein Vampbiss gewesen. Insgeheim hatte jeder darauf gewartet, wann
sie die Hölle beendete, zu der sie aus Pylea
zurückgekehrt war. Sie war so rücksichtsvoll sich die Pulsadern im
Gemeinschaftsbad aufzuschlitzen, wo ihr nur das Wasser laufen lassen konntet,
um ihr Blut wegzuwaschen. Sie begruben Fred links neben Wes und verboten dir
mitzugehen, weil es zu gefährlich war.
Du
denkst, dass für zwei Wochen komplette Funkstille zwischen euch herrschte.
Bevor du
ihnen eine Liste mit schönen Dingen mitgegeben hast, um dich davon abzulenken,
dass Fred ein glückliches Lächeln getragen hatte, als du sie gefunden hast. Du
dich nicht erinnern konntest, wann du das letzte Mal gelächelt hast und du glaubst,
dass es an dem Abend eurer Rückkehr gewesen war. Bevor du dein goldenes
Königinnenoutfit für die Bequemlichkeit der unnützen Krankenschwester
eingetauscht hattest.
Es lohnte
sich nicht, darüber nachzugrübeln.
Suizid
war kein Gedanke mit dem du dich anfreunden konntest und so hast du Listen
erstellt. Vielleicht wolltest du die Vampire auch mit deinen extravaganten
Aufträgen beschäftigen, um nicht zu lange mit ihnen alleine zu sein. Die Listen
waren effektiver darin, die zwei Vamps von deinem Hals wegzulotsen, als ein
Bittgesuch und als Suizidwächter versagten sie sowieso.
Denn sie
machten dir in ihrer Intensität Angst, seit Freds Tod mehr denn je.
Es war
nicht so, als ob du den Bunker in eine Villa verwandeln wolltest, sondern nur
dem Kerkerflair entgegenwirken. Das Gefühl abstreifen,
dass du in einem Gefängnis vegetiertest oder einem versiegelten Hohlraum.
Außerdem interessierte es niemanden, ob Gemälde im Museum hingen oder Tiffanys
stiller Alarm anschlug. Es war die Traumausstattung, die du dir in den ersten leeren
Monaten in LA angefertigt hattest, wurde dir klar als du mit dem Diamantengeschmeide
vor dem Spiegel standest.
Teure
Seide aus irgendeinem Designerladen und du warst am Ziel deiner Alpträume.
Du hast
den Kollaps zugelassen und den verschmierten Maskara abgewaschen, bevor dich
einer der beiden auf deine Tränen ansprechen konnte. Fingst an von neuem
Make-up aufzutragen, Schicht um Schicht. Zusammen mit deiner dünnen Courage.
Begegnetest
Angel mit gefasster Miene und einstudiertem Lächeln. Schwäche zu zeigen, wäre
eine schlechte Idee angesichts der erdrückenden Umstände. Der auf sich
genommenen Mühen für ein perfektes Galadinner und der Wahrheit von Luxus in der
Hölle.
Hast den Champagner
nicht geschmeckt, nur die prickelnde Enttäuschung.
Den Beluga-Kaviar mit Perlmuttlöffel hineingewürgt, während du
im Kerzenschein ein Rendezvous mit deinem Liebhaber hinter dich gebracht hast,
das jedes Klischee erfüllte ohne zu befriedigen. Dessen Childe
in der Gemeinschaftskantine mit billigem Schnaps seinen Kummer ertränkte.
Deine
Stimmung war plötzlich auf Weltuntergang und der lag bereits hinter dir.
Du
wolltest Angel fragen, weshalb sie die Fassade noch vor dir aufrecht hielten.
Du wusstest, was während ihren Jagdzügen geschah. Egal wie ahnungslos du auch
sein wolltest, sie machten es dir zu leicht. Die passenden Bissspuren, die ihr
drei trugt, waren schwer zu übersehen und du wolltest keine Erklärung für die
anderen Verletzungen, die du nach jeder Rückkehr an Angels Körper fandest. Dir
hätte ein Ende der Scharade gereicht. Welchen Vorwurf solltest du Angel schließlich
machen?
Dass er
rücksichtsvoll genug war, dich nicht über dein körperliches Limit zu pushen?
Spike ihm
Vergebung und Hass in gleichem Maße bieten konnte. Es befand sich kein
Druckmittel in deiner Hand, um zu verhandeln und dir fehlte ehrlich gesagt der
Wille dazu. Solange es half, dass sie ihren Verstand behielten, war es für dich
in Ordnung. Du wusstest, dass es nichts daran änderte, dass Angel zu dir
zurückkehrte. Aus Verantwortungsgefühl oder Pflichtverständnis. Keines
Eigenschaften mit denen du jemals einen Mann an dich binden wolltest.
Geschweige denn einen Vampir.
Das waren
keine Bande, die Halt versprachen und die Grenzen zu schwammig.
Der
sachliche Ton kam unangemeldet zurück, „Angel, willst du ihn in unserem Bett?“
Sein
Dämon auch, fauchend, „Nein.“
Zurücklehnend,
die Femme Fatal passend für die überladenen Kulisse. Gefangen in einem
mittelmäßigen Theaterstück, „Ist das Thema tabu oder nur unser Bett? Es ist
nicht das erste Mal, dass ihr eine Frau teilt.“
Grausame
Linie um seine Lippe, gepflegte Konversation, „Wenn du diese Nacht überleben
solltest, dann wäre das eine Premiere, Cordelia. Kein Mensch vor dir hatte
dieses Privileg.“
Ein
halbes Kopfschütteln und morbides Interesse, „Wer hat angedeutet, dass ich es
für mich beanspruchen wollte, Angel?“
Er hat
dich auf dem Tisch genommen, ohne dein Blut.
Dir den
Mund mit seiner ätzenden Zunge verboten.
Vermutlich
weil ihn der Gedanke auch reizte und es keine Unschuldigen oder Hilflosen zu
beschützen gab. Keine Visionen seit eurer Rückkehr. Die Mission war mit
Milliarden gestorben, dies hier war überleben. Euer kurzer Aufschub im Vorhof
der Hölle. Du warst dir nicht sicher, ob es reichte, um dich mit einem Gewissen
zu belasten.
Es gab
keine Seelen, die es zu verletzen gab oder zu verteidigen. Außer seiner und
deiner und die waren vielleicht mit Gunn und Wesley und Fred gestorben. Ihr
ward Überbleibsel einer untergegangene Welt. Eure Seelen ohne
Zweckdienlichkeit, nur das Atmen erschwerend und Spike zeigte euch, dass es
auch ohne Seele hart genug war weiterzumachen.
Denn Fred
war mit einem echten Lächeln gestorben und das Bild hatte sich eingebrannt.
Deine
Bitte in sein elegantes Dinerjackett genuschelt, bevor er sich von dir
zurückziehen konnte, „Angel, bring mir Hoffnung. Ein kleines Stück davon.“
„Keine
Ahnung, wo ich ein Stück Himmel aufgreifen könnte, Cordy.“ Angels mutlose Erwiderung
so brutal für dein fragiles Herz, „Warum fragst du nicht Spike, wenn ich außer
Haus bin.“
Du hast
ihn nicht darauf hingewiesen, dass ihr in einem Atombunker daheim ward. Oder
dass sein Childe Mühe hatte gerade zu laufen, seit er
Freds Gewicht nicht mehr tragen musste. Spike mit Ballast eher seine Balance
fand und du dich seit Monaten ungewollt in dieser kopflosen Position eines
Sandsackes befandest. Es nichts daran änderte, dass du leichter mit Angel in
deinen Armen schlafen konntest. Er den Sand in deinen Träumen streute und seine
Tränen deine trocknen ließen, bevor sie Oberhand gewannen.
Bittere
Verzweiflung, die an deiner Kehle nagte. Die Tränen schwammen diesmal in deinen
Augen. In die undeutlichen Konturen seines Abgangs geflüstert, „Vielleicht
werde ich das, mein Engel.“
Die graue
Leere ersparte sich eine Antwort.
Du hast
später den Streit gehört. Spikes Anklage oder Angels oder von beiden. Bevor sie
in die Freiheit ihrer Jagdzüge verschwanden und du warst das erste Mal ernsthaft
versucht ihnen zu folgen.
Du
wolltest den Mond sehen, selbst wenn das hieß, der Zerstörung zu begegnen.
I'll be the one to protect you from a will to survive
and a voice of reason.
Du warst
nicht diejenige, die sich vorwagte.
Es war
Spike und seine Annäherung war alles andere als charmant. Seine Falle nur mäßig
durchdacht und Angel unterwegs. Häufiger allein seit deiner Frage nach einem
Stück Hoffnung. Spikes Blockade bestand aus dem Vorratsraum und seinem Körper
gegen deinen genagelt. Schwerer Alkoholatem gegen deinen Nacken, der dich an
einen Spirituosenladen erinnerte, der von einer Herde Dämonen auseinander
genommen worden war. Seine Stimme erinnerte dich an gesplittertes Glas unter
Boots.
Knirschend
und voller Scherben, „Welchen Dreck hast du ihm in sein Spatzenhirn gesetzt, Kätzchen?“
„Angels?“
„Nein,
des Papstes. Was zur Hölle? Natürlich Angel. Du drängst ihn in die Position zu
wählen und du erleidest einen äußerst tragischen Unfall.“
„Werde
ich? Besagt nicht die veraltete Statistik, dass der Haushalt der riskanteste
Ort ist? Nach unserer mutigen neuen Welt.“ Spöttisch übergeleitet, „Ich ziehe
hiermit meine Einladung für einen Dreier selbstredend zurück, Spike, wenn du
mich durch pure List ans gleiche Ziel bringst. Immerhin wirst du derjenige
sein, der es Angel schonend erklären wird, ohne mein Andenken zu besudeln.“
Fassungslos
von ihm, „Du hast was getan?“
Dass er
sich auf den Teil mit dem Dreier in all den abstrusen Geständnissen besann,
zeigte einmal mehr dass Spike keine Seele hatte oder nicht zum Suizidwächter
taugte. Deine Stirn gegen das Metall reibend, die Kühle begehrend, die keine endgültige
Linderung verschaffte.
Geflüsterte
Bitte, „Oder wende deinen Klassiker an, Spike.“
Die
komplette Bewegungslosigkeit brachte keine brachiale Auflösung deines Dilemmas.
Verhalten,
„Ich bin nicht blind. Ich weiß, wann ich Ballast bin, der zurückhält.“
Das
Schweigen hinter dir hast du als zustimmend gewertet und du schobst seinen Arm resolut
zur Seite. Du hast dich umgedreht. Dein Kinn angehoben, nicht viel, denn Spike
befand sich fast auf Augenhöhe, „Gib mir die im Zweifelsfall sicher schwierige
Gunst, dass ich nicht komplett bescheuert bin. Ich weiß, was zwischen euch
vorgeht. Oder vorging, wenn ich deine Eifersucht ins Verhältnis setze. Es hat
dich vorher auch nicht gestört, dass er mich bumst. Also was habe ich ihm ins
Hirn gesetzt, dass Angel nicht schon vorher wusste?“
„Dass du
mich billigst.“
„So schwer
vorstellbar, huh?“
Dein
Lächeln war bitter und das was diesen Hinterhalt abrupt beendete.
„Die
Aussicht mich in deinem Bett begrüßen zu dürfen, sollte dich frohlocken
lassen.“ Er hatte den Anstand in dein ungläubiges Lachen einzufallen. Spike trat
schließlich einen Schritt zurück und klang stinksauer, „Dass er sich
querstellt, ist keine Erlaubnis für dich in Depressionen zu verfallen. Auch
wenn seine miese Laune mit Sicherheit ansteckend ist. Wir stecken alle gleich
tief in der Scheiße. Also erspar mir das Jammern. Keiner will dich tot sehen,
Cordy, ansonsten hätte dich dieses Schicksal schon längst ereilt.“
„Wie
würdest du dich fühlen?“ Der Vorwurf war nicht sonderlich gut versteckt, schroff,
„Er meidet nicht deine Gegenwart, wenn du wach bist.“
„Er
meidet mein Bett. Ich verliere eindeutig bei diesem Gunst-Wettbewerb.“
Den
Hinterkopf gegen das Regal gelehnt, gehässig, „Ich bezweifle, dass ihr euch
damit aufgehalten habt, euch eines zu beschaffen. Deshalb mein Angebot, Spike.“
Sehr
langsam, „Ich ahne mit Grauen, wie er auf diesen Vorschlag reagiert hat.“
„Nicht
sonderlich gut. Aber hey, wir haben seinen Freibrief.
Bereit mich in dein Stück Himmel einzuführen, Spike? Soll ich mich freimachen?“
Spikes
verdattertes Gesicht wäre zu einem früheren Zeitpunkt goldenes Ziel für deinen
Spott geworden. Stattdessen warst du nur froh, dass es gesagt war. Es nicht
mehr deinen Kopf vergiftete und durch die Dunkelheit streifte wie ein ruheloses
Phantom.
Der
Generator rumpelte unverdrossen im Hintergrund und Spike ging kopfschüttelnd auf
Abstand. Steckte sich eine Kippe an, während du Dosenspagetti als Abendessen
aussuchtest. In die Küche gingst und dich routiniert daran machtest, dein Essen
aufzuwärmen.
Spike
rauchender Fleck in der schlecht beleuchtenden Ecke.
Nüchtern
das Problem angehend, „Wirst du uns durchdrehen, Cordy?“
„Nein.“ Die
Gabel auf halben Weg zum Mund stehen blieb, deine Augen sich auf ihn außerhalb
des Lichtkegels einstellen, „Nicht weiter, als ich bereits durchgedreht bin.“
„Sehr
schön. Also lass uns reden.“ Er setzte sich dir gegenüber rücklings auf den
Stuhl, die leere Dose als Aschenbecher nutzend, „Er darf dich nicht verlieren.
Das wäre nicht gut für seine Psyche.“
„Meine
Hauptsorge, Seelendoktor.“ Den mörderischen Blick vernachlässigend, den er dir
zuwarf, hast du lustlos in deinen Nudeln herum gestochen, „Wie schlimm ist es
da oben, Spike? Keine Beschönigungen, bitte.“
„Eine
Geisterstadt mit Dämonenpopulation trifft es ziemlich genau.”
Dir war
der Appetit bei Spikes Aussage vergangen, stockend, „Bin ich die Letzte?”
„In einem
drei Wochen Radius? Ja. Ansonsten hätten wir die Überlebenden hier
zusammengetrieben.“ Nachdem er die Bestürzung in deiner Miene gelesen hatte,
besorgt von Spike, „Dir ist nicht entgangen, dass wir ab und zu für Wochen weg
waren?”
„Nein, aber
mein Zeitgefühl ist trotzdem am Arsch.“ Du hast den Teller zurückgeschoben,
müdes Geständnis, „Ich hatte eine ungefähren Vorstellung im Kopf, wo die
Objekte sich befinden.“
„Und wie
schwer sie zu besorgen sind.“
Du nicktest
mürrisch, „Helden brauchen einen Auftrag, Spike. Mission – Was auch immer. Es
erschien besser als eine Sinnsuche hier im Bunker mit euch zu veranstalten, die
zu nichts außer Konflikten führt. Ihr schafft das alleine, ohne mich ins Minenfeld
zu ziehen.“
„Schließlich
ist nicht Ostern und im Eiersuchen hat Angel immer hoffnungslos versagt.“ Unfreiwilliges
Lächeln von dir, Spike starrte dich nachdenklich an, „Das Streben nach Glück. Wenn
ich noch einmal den Fehler machen sollte, dich zu unterschätzen, erwähne
Sinnsuche, Cordy.“
Den
Teller anvisierend, „Unterschätzt zu werden, ist nicht so übel. Es erspart eine
Menge Scherereien.“
Amüsiert
von ihm, „Zu spät dafür. Die Katze ist aus dem Sack.“
Zusammenhanglos
in die folgende Stille von dir, „Ich wollte ihn nicht vergraulen, Spike. Nur
ein Stück Hoffnung zum Durchhalten. Was sucht Angel da draußen, Spike? Es kann
nicht Glück sein.“
Spikes
Antwort kam abwägend, „Vielleicht sein Unglück. Ich sollte ihm bei diesem Vorhaben
helfen unter die Arme greifen, wenn er mich lassen würde. Scheiß
Selbstgeißelung.“
Die Worte
echoten in deinem Schädel, „Ist das alles, wofür unsere Seelen noch taugen?“
„Von
einem neutralen Standpunkt aus? Ja.“
Du hast den
Rest der geschmacklosen Spagetti hinuntergewürgt und dann seine Kippen geklaut.
Spike sagte nichts und auch Angel hielt seine Kritik drin, als er Stunden
später deinen Körper auf dem Feldbett zurück bog. Den Rauch wahrnehmend und
deine unsichtbare Annäherung an sein Childe. Sich in
deinem Puls und harschen Atemzügen verlor. Du dir darüber klar wurdest, dass er
mehr auf dein warmes Leben angewiesen war als dein Blut. Dieser Platz in deinem
Bett wichtig für ihn war, wenn auch nicht dieser Körper.
Es ihn vielleicht an all jene
erinnerte, die ihm je durch die Finger geglitten waren.
Der unruhige
Schatten vor deiner Tür war Spike und er störte dich nicht.
I'll be the one to protect you from your enemies and
your choices, son.
Spike war
greifbarer Teil hiervon und nichts war in Stein niedergeschrieben, nicht wenn
Angel dir die Auflösung vorenthielt. Du hattest dir vorher Gedanken gemacht,
aber niemals erlaubt von dir als letzte lebende Frau in LA zu denken. Mit Fred
an deiner Seite, stellte sich die Frage nie und nach ihrer Beerdigung gab es
fadenscheinige Ausreden, die sich dennoch überzeugend anhörten.
Die Idee,
dass du eine Pandemie apokalyptischen Ausmaßes als einzige überlebt haben
konntest, sprengte schlicht deine Vorstellungskraft. War zu abschreckend, um
sie in diesen finsteren Gemäuern auch nur zu Unterhaltungszwecken aufzugreifen.
Zu viele unbekannte Faktoren, die ineinander griffen. Du hattest eine ungefähre
Vorstellung, wie scharf Vampirsinne waren und du hast angenommen, dass jeder
Mensch ohne Symptome klug genug war, früh genug aus der Stadt zu fliehen. Sein
Heil auf dem Land zu suchen. Es gab niemand, der dir das Gegenteil beweisen
konnte und du warst mit deiner Logik zufrieden.
Du
hattest deine passive Todessehnsucht vorerst überwunden.
Auf keine
hohle Entschuldigung aus, ihr erneut zu verfallen, wenn es sich verhindern ließ.
Die
Traumfabrik hatte nicht ihr letztes Kuriosum gesponnen und du hast vorsichtig
nach Buffy gefragt. Die Legende ihres Falles in dein Weltbild integriert und
Spike sagte nicht so viel, aber du konntest in den scheußlichen Pausen lesen,
die er vor dir ausbreitete. Er hat sie geliebt und du hingst an seinen Lippen,
weil er süßes Gift versprühte und du dich an Märchen erinnern konntest und für
eine Minute der Ausgang egal war.
Weil Spike
sie noch immer liebte. Über den Tod hinaus. Es nicht zählte, dass er Buffy
nicht hatte wach küssen können und die Welt ihrem Untergang folgte. Da war
dieses Strahlen in seinen Augen, vielleicht nur das fahle Küchenlicht das sich unglücklich
brach. Aber du wolltest glauben und Spike gestaltete die Lüge authentisch.
Die
Jägerin war die letzte, die ein echtes Begräbnis mir allem Prunk bekommen
hatte.
Der
gezollte Respekt war verdient und die Seuche schwappte vier Tage später über den
Globus. Spike klaute den kleinen Bagger vom Süd-Friedhof, um die Gräber für die
Scoobies neben ihrem auszuheben. Nicht von Hand
geschaufelt, wie du bis jetzt angenommen hattest. Du konntest dir dennoch nicht
vorstellen, wie er die Kraft aufgebracht hatte, diese sinnlose Aktion alleine
durchzuziehen. Die Särge waren zu diesem Zeitpunkt knapp und er hörte sich fast
verlegen an, als er sagte, dass er Dawn und Giles nur in Leichentücher
beerdigen konnte. Rechts und links neben Buffy. Willow
und Tara paarweise an ihrer Kopfseite und Anya und
Xander zu ihren Füßen.
Da war
eine komplexe Symmetrie in Spikes Bericht, die dich einlullte.
Den
Horror aus der Wahrheit nahm, dass du jede Menschenseele verloren hattest, die
dir je wichtig gewesen war. Die diesen guten Kampf an eurer Seite ausgefochten
hatte und am Ende gegen ein Killervirus nur versagen konnten. Das offene
Dreieck von Gunn, Wesley und Fred in Relation setzte und warum Spike nicht
vollkommen zusammengebrochen war, als er Freds Leiche entdeckt hatte. Er seinen
Zukunftsglauben in Sunnydales harter Erde begraben
hatte und nur nach LA gekommen war, um die letzte Hülle abzustreifen, die ihn
in dieser Existenz hielt.
Angel
stets zweckmäßig für Pardongesuche, die auf taube Ohren stießen.
Ihr saßt
in der Gemeinschaftskantine gegen die Wand gelehnt, die Fred mit ihren
mathematischen Fabeln verziert hatte. Gleichungen, die für euch keinen Sinn
ergaben und ihn ihr am Ende genommen hatten. Spike kannte deinen Verlust, hatte
ihn aus vorderster Front beobachtet und du hast ihm trotzdem verlegen
eingestanden, dass du die Sonne am meisten vermisstest. Da war die Gewissheit,
dass du die anderen nicht restlos verloren hattest. Diesseits. Jenseits. Alles
inzwischen so relativ wie die Zeit, die unbeachtet verstrich. Monate zu Stunden
werden ließ und Sekunden zu Wochen.
Außerhalb
des Gefüges, innerhalb dieses grauen Kosmos.
Er hat
dir nicht den Vorschlag gemacht, dich bis zum Rand ihrer Strahlen zu führen.
War sich
vielleicht zu sehr bewusst, dass er dich dort nicht würde halten können.
Stattdessen
hatte er deine nächste Kippe angezündet, dich in einer fließenden Bewegung
hochgezogen und dann in sein Zimmer verfrachtet. Der Schallplattenspieler war so
antiquiert wie die Lautsprecher und ‚House of the rising sun’ nicht trostreich.
Aber Spikes Handlung machte dir klar, dass du diese Betonwände nicht lebend
verlassen würdest.
Nicht
wenn die beiden Vampire es verhindern konnten.
Du die
Sonne zum letzten Mal vom Hyperion aus gesehen hattest, ohne ihr Beachtung zu
schenken. Auf deinem nächtlichen Weg in den Bunker zu verschreckt, um nach dem
Mond Ausschau zu halten und deine damalige Furcht war bedauerlich. Da waren andere Erinnerungen, die zu sammeln sich gelohnt
hätte, anstatt den Kopf unten zu halten und Freds Hand fester zu greifen. Du
hast dich an den verlorenen Himmel in den nächsten Wochen vielleicht festgeklammert.
So wie an
Spikes mangelndem Interesse, den Freibrief einzulösen.
Angel zu
lieben war eine Pflichterfüllung und er tat nichts, um dich vergessen zu
lassen, dass du nicht seine Wahl warst, sondern die der Welt. Das Überbleibsel einer
gnadenlosen Selektion und du hast seine Motive
verstanden, dich nicht näher an ihn ranzulassen. Denn es gab noch immer einen
Fluch, der ihn betraf und perfekte Verzweiflung rückte das perfekte Glück in
Greifweite.
Die
Fingerspitzen, die sich in die Risse eures Fundaments vorwagten und dort
eigentlich nichts zu suchen hatten. Du hättest ihn nicht gewählt, wenn du die
Wahl gehabt hättest und du hast verstanden, warum Fred sich gegen ihn
entschieden hatte. Damals vor all den Monaten.
Du
hättest dich aus dem gleichen Grund für Spike entscheiden sollen, denn er hätte
dich nicht enttäuscht. Es wäre nicht in seiner Macht gelegen, dich unter deiner
Haut zu berühren und all die Zurückweisungen, die winzigen und großen bauten
sich zu dieser Wand auf, die du nicht überwinden konntest. Es nicht wirklich
wolltest. Es war nicht allein dein Vergehen und Angels Tunnelblick zu teilen,
war nicht deine Art. Da war nicht mehr soviel, das nur zu dir gehörte und von
niemanden geteilt werden konnte. Die geheimen Orte waren rar geworden und Spike
entwarf eine neue Landkarte.
Ohne
Vertrauen, ohne Hindernisse.
Anarchistisch
und dieses Ticket einzulösen war verführerisch einfach.
Deine verfluchte
Lethargie ihm nicht gegen das Schienbein zu kicken, wenn er mal wieder zu nah
an dir dran war. Dich nicht konstant an Angels Hals zu hängen – zu werfen, wenn
nötig. Ihn nicht darum zu bitten, dich nicht mit seinem Childe
allein zu lassen. Spike nicht bei jeder Gelegenheit unter die Nase zu reiben,
dass du einen Protektor hattest, der es mit ihm aufnehmen konnte.
Oder ihn
in die Bewusstlosigkeit vögeln konnte, wenn er unartig war.
Vielleicht
hätte Spike dieser Gedankensprung wirkungsvoll von deiner Fährte abgelenkt.
Du
konntest dich zu nichts davon aufraffen und vielleicht war das Provokation und
Einladung genug für ihn. Die Langeweile beruhte auf Gegenseitigkeit und du hast
dich mit Spike arrangiert. Vor Monaten und die letzten Wochen waren nur eine
Geduldsprobe der anderen Art - im Versteckspielen.
Die
unweigerliche Annäherung an den Nullpunkt.
Der
Frage, wie lange du dich noch mit einem Gewissen belasten würdest, führte in
keine Richtung, die dich humaner erscheinen ließ. Oder deine zwei gefallenen
Helden mit Motiven versetzten, die nicht egoistisch waren. Die Dämonen lagen ständig
auf der Lauer und du warst dir nicht sicher, ob sich an dieser Haltung je wieder
ein Deut ändern würde.
Ob es nicht
der Natur der neuen Welt entsprach, auf das Schlimmste zu hoffen und in der
Zwischenzeit den Schmerz zu konsumieren. Aufzunehmen bis das Stechen zu einem
Pochen wurde und dein Puls war nicht der einzige, der in diesen Gängen schlug.
Nur
konstant – im Gegensatz zu dem Heiß und Kalt, das die beiden zelebrierten.
Den Wogen
von Gewalt und Desinteresse, die schwer zu fassen und schwerer zu begreifen für
dich waren. Die Art, wie die beiden
umeinander glitten, hatte auch eine innere Symmetrie. Du ahntest, dass nicht
nur dein Bund mit Angel neu definiert worden war, sondern auch seiner mit
Spike. Die Angleichung war leise erfolgt und dass sie aufeinander angewiesen
waren, nur kleine Wahrheit in dem Ödland, das euch einschloss.
Das
Gefühl ein Eindringling zu sein, hatte mit Spikes Akzeptanz nachgelassen oder
deiner. Es war nicht so wichtig, festzustellen wer toleranter von euch war oder
kranker. Es hatte nicht nur mit Angel zu tun oder seiner Liebe, um die ihr euch
gezankt hattet. Es hatte mit verlorenen Dingen zu tun, die ihr nicht vergessen
hattet und die aufflammten in einem verhaltenen Lachen über einen schlechten
Scherz.
Ihr ward überraschend gut darin, einen Silberschweif in den
Rohren zu sehen und euch einen Horizont vorzustellen, der nicht mit Ruinen voll
gestellt war. Verblüffend gut darin, nicht der Vergangenheit nachzutrauern,
wenn es keine gab, die euch speziell verband. Das Vorher erschien wie ein
Tagtraum und zu weit weg, um sich in dem Versuch aufzureiben, es festzunageln.
Neu zu etablieren.
Da war
eine neue Gedankenlosigkeit, die dich gegen Widrigkeiten bestehen ließ.
Bis du
unter der Gemeinschaftsdusche warst, Spike sich zu selbstverständlich dazu
gesellte. Andere Sackgassen in den Vordergrund deines Bewusstseins traten, die
du bis jetzt mühelos meiden konntest, weil du nicht diesen Pfad gehen wolltest.
Die Kreuzungen zu zahlreich wurden, um nicht zu wissen, dass alle Wege letztendlich
zu diesem einen Ziel führten.
Du hast
versucht, den gierigen Blick zu ignorieren, den Spike dir zuwarf.
Dieser
neusten Entwicklung entgegenzuwirken, die sich seit eurem Gespräch über das
Aussterben der menschlichen Bevölkerung von LA unweigerlich eingestellt hatte.
Dem wackligen Status Quo und euch gegen Angel zu verbünden, war lächerlich.
Die
Palastrevolte würde von keinem Erfolg gekrönt werden, den ihr tatsächlich
anstreben würdet. Ihn aus seinem Trott zu kicken, war ungefähr so, als ob man
in ein Hornissennest stach, nur um festzustellen, warum sie in erster Instanz
angepisst waren. Es hatte einen nicht zu unterschätzenden masochistischen Zug,
den du dir nicht zuschreiben wolltest. Es hatte trotzdem seinen Reiz und
Rationalität nicht.
Spike und
du ward seit ungefähr einem Jahr, Logik entwachsen.
Fred war
hier gestorben, in diesem Raum und es störte ihn nicht.
Spike
hatte zuviel Tod gesehen, um sich von ihrem Geist heimsuchen zu lassen.
Fand wahrscheinlich
etwas Verführerisches in der Stille eines erloschenen Herzschlages, während
deiner gegen dein Brustbein trommelte. Die Haare ausspülend seine Erektion in
zwei Meter Entfernung auszublenden, war anstrengend genug. So wie seine Hand
auf eben dieser zu vernachlässigen.
Dich an
eine Zeit zu erinnern, in der du deine Gefühle im Griff hattest, verschwendete
Zeit und die grauen Betonwände zu vertraut geworden. Du wolltest sie nicht auch
noch in deinem Kopf errichten. Die Perspektive war sowieso hoffnungslos verbaut,
ohne dass du deine Fantasie einschränktest.
Deine
Stimme hohl trotz des Wasserrauschens, „Findest du nicht, dass du deine feuchten
Playmate-Fantasien ein Stück zu weit treibst, Spike?“
„Nein,
ganz und gar nicht.“ Das unverminderte Tempo seiner Faust bestätigte diese
Aussage, unverschämtes Grinsen, „Dreh dich um, wenn es dich stört. Ich kann
auch deiner Kehrseite etwas abgewinnen, Kätzchen.“
Du
folgest seinem Vorschlag, deine Krallen waren wirkungslos gegen ihn und du
warst nicht soweit, ihm abgebrüht die Stirn zu bieten. Da war ein letztes
Bisschen menschliche Moral, die sich in dir wand, nachdem du dich schon von
deinem Gewissen verabschiedet hattest. Die Fingernägel gegen den rauen Beton
gedrückt. Der Wasserstrahl mit konstantem Druck auf deine Kopfhaut prasselnd.
Die Frage
schneidend echt, „Bin ich ein Haustier für euch?“
„Oh,
nicht philosophisch werden, Cordy. Nicht für die nächsten zwei Minuten.“
Du hast
dir verletzt auf die Lippen gebissen, vielleicht war das Antwort genug.
Ihr ward
alleine, wie zu oft in den letzten Wochen. Angel auf einer Mission, die er
nicht mit euch teilte. Nicht mit Spike oder dir. Ausgeschlossen in dem
Mikrokosmos, zu dem sich eure Welt entwickelt hatte und du brauchtest
Kontakt. Gespräche über Belanglosigkeiten. Jemand, der dich runter bringen
konnte und deinen Kopf auf das Wesentliche entleeren.
Dass es tatsächlich
gut war, am Leben zu sein.
Dass es
noch Bücher zu lesen gab und Kunstwerke zu bewundern. Dass du noch nicht jedes
Stück Musik gehört hattest. Dass der Glanz eines Diamanten die Sonne vielleicht
doch ersetzen konnte und Rubine nicht wirklich an Blut erinnerten, nur Saphire
an den Sommerhimmel. Smaragde dich an das Gras eines Parks im Sommer und du den
Kaffee noch immer genießen konntest, auch ohne Frischmilch. Dass es nicht zu
absurd war von Angel Sand zu verlangen, der nach Pazifik roch und ihm im
Gegenzug zu versprechen, dass du seinen Schwanz auf deiner Zunge zergehen
lassen würdest.
Dass es auch unfreiwilliges Gelächter in deinem Schlafzimmer gab und nicht nur die drei Schlucke Blut, die Angel sich gönnte, um dich nicht zu übe