Autor: Astarte
E-Mail Adresse:
astarte@fan-arts.net
Titel: Feathers and down
Altersfreigabe: NC-17
Teil: 1/1
Spoiler: Heroes 1x12 Godsend, indirekte
Spoiler für 1x19 .07%
Inhalt: Der Absprung ist der halbe Flug.
Die andere Hälfte ist verloren geglaubte Sehnsucht.
Hauptcharakter(e)/Paar(e):
Isaac Mendez/Nathan Petrelli
Disclaimer: Sie gehören mir nicht… Alles Tim Kring!
Kommentar: Das Paar
war phoepes Idee, die Umstände sind meine und Xandra
gab grünes Licht für den Blowjob im zweiten Teil. Somit
alles wunderbar geregelt in meiner Schreiberwelt. Ich orientiere mich lose am
Verlauf der ersten Staffel.
Feathers and down
And I have no regrets that I bet my whole checking
account,
Because it all amounts to nothing up in the end.
~Jason Mraz – Curbside Prophet~
It’s a backwards attraction to your forward eyes.
Du
klingelst und kommst dir albern vor.
Suchst
den Witz, der irgendwo in dieser Situation versteckt sein muss und zuzugeben,
dass du nicht weißt, was für eine Lösung hinter dieser Glastür liegen soll,
wäre ein Understatement. Aber du bist zynischer Optimist. Du hast keine Ahnung,
wo Peter steckt und du bist damit in guter, wenn auch teurer Gesellschaft. Deine
anderen Informationsquellen sind erschöpft und du bist es müde, Gefallen zu
diesem geringen Gegenwert einzutauschen, wenn der Maler dir eventuell ein
hübsches Bild zeichnen kann.
Du hängst
momentan zwischen zwei Presseterminen und einer liegt in der Nähe.
Zu
aufgekratzt, um auf einen Rückruf zu warten und zu niedergeschlagen, um nichts
zu tun. Du klingelst erneut. Ungeduldig. Abwarten war nie deine Stärke und du
weißt, wer diese Eigenschaft von deiner Mutter geerbt hat, auch wenn sie die
Tendenz hat zu lauern. Wahrscheinlich ist diese Differenzierung zu subtil,
gerade angesichts der zwei Wochen an Peters komatöser Seite im Krankenhaus. Du
triffst sie trotzdem. Peter ist auch gut darin, wenn er einen klaren Kopf bewahrt
und das war leider nicht sein derzeitiger Grundzustand.
Nicht seit
dieser Wahnsinn mit einer Sonnenfinsternis begonnen hatte.
Das Dumme
ist nur, dass du langsam die Größe begreifst, in der sich dein Bruder verfangen
hat. Es ist Angst einflößend, sogar für dich. Die Verbindungen, die zusammenklicken
vor deinen Augen. Odessa, Vegas und New York zu einem globalen Jahrmarkt
machen, in denen man vertrauten Gesichtern begegnet, als ob es nichts
außergewöhnliches wäre, jemanden in diesen Städten überhaupt zu finden.
Als ob
sie keine anonyme Labyrinthe wären, in denen jeder sich in die graue Masse integriert.
Du hast schon vorher gewusst, wie leicht man jemanden darin verlieren kann und
Peter will nicht gefunden werden. Nicht von dir und dass er untertauchen kann,
erscheint nur eine neue Fähigkeit von vielen zu sein, die sich manifestiert.
Gegen den
Strom zu schwimmen, war nie deine Stärke und du vermisst den Trott deines alten
Lebens. Die Gewissheit, dass du das Richtige bewirkst und nicht auf einer Bombe
schläfst, die jederzeit deine Normalität zerreißen kann. Allein die Tatsache,
dass du das Gefühl hast, dass diese Bedrohung real ist, sagt einiges über
geteilte Paranoia aus und Peter ist nirgendwo in Sicht.
Du suchst
deinen Kapitän Ahab oder den weißen Wal in
unbekannten Gewässern und es kotzt dich an. Du weißt, wo Obsessionen enden.
Allein in nett gepolsterten Zellen oder predigend an der Straßenecke auf einer
Obstkiste und du willst nicht dort landen. Deine goldene Laufbahn ist ins
schlingern gekommen und du verfluchst Peters Name noch einmal mit Gefühl.
Und der Maler
braucht zu lange für dich. Gehst den Korridor langsam hinunter.
Bist an
der Feuertür, als seine Stimme dich stoppen lässt, „So der fliegende Mann macht
schon einen Abflug.“
„Oder landet
erneut.“ Drehst dich gereizt um, „Mister Petrelli tut es auch.“
„Zirkusattraktion
bleibt Zirkusattraktion, warum diese Wahrheit bestreiten?“ Isaac steht gestresst
im Flur. In einer Hand den tropfenden Pinseln, der seine Verzögerung besser
erklärt als das halbe Schulterzucken. „Klingt jedenfalls interessanter als der
andere Slogan, was war es noch mal?“
Du
erwiderst zugeknöpft, „Nathan Petrelli für den Kongress.“
„Ich
dachte mehr an, ‚Für ein besseres Morgen.’ Gott, das ist schlecht, wenn ich mir
die Explosion auf meinen Atelierboden ansehe.“ Er tritt nach, „Ich würde den
anderen wählen. Aus Prinzip.“
Und du
kämpfst plötzlich gegen das Lachen in deiner Kehle an, weil Isaac naiv genug
ist, um diese Aussage als Foul zu werten. Bevor diese Eigenschaft dich an Peter
erinnert und du wieder die Situationskomik suchst, während du zu
selbstverständlich unter die Gürtellinie schlägst.
Gedankenlos
die Schwäche sezierend.
„Nicht wegen
Simone?“ Die Pause füllt sich mit seinem angespannten Lächeln. Die Warnung im
Blick, dass du dich auf neutralen Boden bewegen solltest, wenn du auch nur
einen Fuß in seine Tür setzten willst. Du entschärfend
fortfährst, „Ich würde versuche Sie umzustimmen, wenn ich nicht davon überzeugt
wäre, dass Sie kein eingetragener Wähler sind und sich daran in absehbarer
Zukunft nichts ändert.“
„Ich habe
momentan in der Tat andere Prioritäten.“ Er lacht wieder, halb ertappt, halb
verlegen, während er seine Hände ergebnislos an einem Lumpen abwischt. Bevor er
aufgibt und ihn geistesabwesend in die Hosentasche steckt. Ohne Wertung, „Vielleicht
bist du doch schlauer, als in Interviews rüberkommt.“
„Dass das
Fernsehen lügt, ist hoffentlich für Sie keine Neuigkeit.“
„Es ist
nicht mein Medium.“
Was
allerdings wahr ist, damit ist er durch die Tür.
But you’re so farsighted that you can’t place trust
Isaac ist
zurück in seinem Apartment und du kommst fast ein wenig widerwillig der
Einladung der offenen Tür nach. Siehst noch wie er eine Leinwand dreht, als du
eintrittst. Du gehst an den fertigen Bildern vorbei und bist dir zu bewusst,
dass du über das eigentliche Katastrophengebiet läufst.
Dass
dieser Fall nicht gut für dich ausgehen kann, ist dir auch klar.
Die Option,
ob du am Ende in zerfledderten Kleidern predigend auf einer Obstkiste stehen
wirst, noch einmal eingehend analysierst, bevor du den Mund aufmachst. Es gibt
so viele Arten sich zum mundtoten Politiker zu reduzieren.
Aber
besser ein Narr als im Leichensack zu enden.
Vor allem
wenn es bei dieser Prognose nicht bei einem bleiben wird, sondern Massengräber
auf der Fifth Avenue gescharrt werden. Du brauchst
Peter, der diesen Mist von sich gibt und damit dein Gehirn entlastet. Du denkst
nicht gerne in diesen Bahnen und würdest lieber dagegen argumentieren, als die
Indizien objektiv zu beurteilen.
Eröffnest
neutral, „Haben Sie Linderman schon einmal getroffen?
Er scheint sehr an Ihrer Kunst interessiert zu sein.“
„Mehr an
der Zukunft, die er durch mich sehen kann, wie sich herausstellte, oder fliegender
Mann?“ Zynismus hört sich ungewohnt für Isaacs Zunge an und du speicherst die
Tatsache automatisch ab. Er kommt auf dich zu, „Linderman
ist nicht dingfest zu machen, wenn er nicht erreicht werden will. Liege ich mit
dieser Einschätzung richtig?“
Du nickst
zustimmend. Es ist Tage her, seit du mit dem neuen Ziel aus seinem Apartment
verschwunden bist und du bist keinen Schritt weitergekommen. Isaac ahnte das
wohl schon vorher.
Es ist aber
nicht der einzige Grund, der dich hierher zurückgeführt hat.
„Es geht
nicht um Linderman. Es geht um Peter.“
„Der
nächste Fan. Ich bin es leid zu versuchen, ihn zu zeichnen.“
Der Zorn ist
auf ihn selbst fokussiert oder Simone. Du bist dir nicht ganz sicher. Eher seine
Unfähigkeit, den Bösewicht ausfindig zu machen, der ihm am liebsten wäre und sein
Liebesdrama in Luft auflösen würde. Du sagst nichts.
Wenn er
den Rivalen aufspüren will, kannst du es für deine Zwecke nutzen.
Du
trittst auf ihn zu und hältst ihm deine Karte hin, kühles Lächeln, „Melden Sie
sich, wenn Sie ihn finden, Mister Mendez.“
Er blickt
misstrauisch auf die schlicht gehaltene weiße Pappe, ohne Namen, nur mit deiner
Handynummer und Direktdurchwahl im Büro. Isaac hat wahrscheinlich erwartet,
dass du argumentieren wirst, versuchen ihn mit Erpressung in die Ecke zu
treiben. Vielleicht betteln.
Du bist
Politiker und in erster Linie Staatsanwalt. Du hast deine Aufsehen erregenden
Fälle nicht mit Däumchendrehen gewonnen, sondern Taktik. Lange bevor die Medien
dir die Kamerateams vor die Nase setzten. Informationsbeschaffung ist dir nicht
neu, auch nicht Informanten und Isaac hat keine Ahnung, mit welchen Männern du
schon die Details ihres Verrates in Hinterzimmern ausgehandelt hast.
Isaac ist
ein Ex-Junkie, der nie auf die Schnauze geflogen ist. Nie im großen Stil.
„Melden
Sie sich.“ Damit machst du dich auf den Weg zum Ausgang.
„Die
zweite dubiose Karte. Ergibt drei eine Kollektion?“
Erlaubst deiner
Verblüffung nicht die Oberhand, wirfst nur über die Schulter zurück, „Glauben
Sie, dass mein dubioser Vorgänger Peter stoppen kann, wenn er in die Enge
getrieben wird? Er ist mein Bruder.“
Heftiger
Einwand, „Peter ist die Bombe.“
Hast den
Türknauf in der Hand, „Falls die andere es also versauen, wird er mit einem
Knall ausgehen, den Sie hören werden.“ Drehst dich ihm zu, „Ist es nicht schön,
Gewissheit zu haben? Mein Vorschlag wäre, melden Sie sich zuerst bei mir. Ich
warte auf Ihren Anruf.“
Er sagt
nichts und du gehst.
Du
bekommst deinen Herzschlag nicht unter Kontrolle. Nicht für Stunden und bist
bei der Veranstaltung nicht bei der Sache. Dass du die wohltätige Organisation
nur mit einem Stocken über die Lippen bekommen hast, wirkt sich negativ in den
Medienberichten aus und du zappst lustlos durch die
Kanäle. Deine Eingeweide sind in einem Knoten, der deine Konzentration zerstört
und dein Blick geht zu oft auf dein stilles Telefon.
Dubiose
Karten sind nie gut und du fragst dich, ob Peter weiß, in was für einem
Kartenhaus er sich zurzeit bewegt. Ob er vorsichtig genug ist, um den Hinterhalten
auszuweichen. Du sehnst dir eine Zeit herbei, in der deine einzige Sorge, die
Exzentrik deiner Mutter war und nicht ein bevorstehendes Armageddon. Die wankelmütige
Entscheidung eines Junkies und Sehers, der das Wohl deines Bruders bestimmen
kann und dem nicht gerade daran gelegen ist.
Du willst
das Telefon zum Klingeln zwingen und scheiterst.
Ein
vergeudeter Tag. Vielleicht solltest du wie Superman deine Runden über der
Stadt ziehen, um Pete aufzuspüren. Mit dem ironischen Gedanken fällst du in
einen unruhigen Schlaf auf der Ledercouch in deinem Büro. In deinen Träumen
hörst du es nicht klingeln, sondern siehst die Feuerwand auf dich zurasen. In
deinen Träumen schaffst du es nicht einen einzigen deiner Familie zu retten und
wirst stattdessen alleine von der Explosion himmelwärts geschleudert. In deinen
Träumen verwandeln sich die geliebten Gesichter in Staub und Asche während die
Hitze dich nur streift.
In deinen
Alpträumen hättest du es verhindern können.
In what or who you recognize.
Isaacs
Anruf kommt drei Tage später.
Nicht
mehr als die Einladung einen genauen Blick auf seine Bilder zu werfen.
Er
vertraut dir nicht, das wäre zu naiv selbst für ihn, aber zumindest ist er
bereit dich zu testen. Es ist eine Sache, Peter blind zu versichern, dass er
keine Bedrohung ist und dann die Bedrohung in bunten Variationen vor dir
ausgebreitet zu sehen. Das Gemälde einer grauen Endzeit hält deine Aufmerksamkeit
und der Horror ist zu real, um ihn mit überzeugender Kunst zu rechtfertigen.
Du
stellst dir unfreiwillig Monty und Simon in den dreckigen
Ruinen vor und schluckst.
Du atmest
den Farbgeruch ein, den beißenden von den Verdünnern, der in der Luft hängt und
fühlst dich ein wenig high. Ein wenig außerhalb deines Elements und Isaac folgt
dir unvermittelt mit ein paar Schritten Abstand auf deiner planlosen Reise
durch sein Alptraumland. Bleibst vor dem Gemälde des explodierenden Mannes
stehen und du fühlst Isaac mehr neben dir, als dass du ihn siehst.
Die Worte
sind nicht für ihn bestimmt, nicht in letzter Konsequenz, sondern für den Mann
den ihr beide offensichtlich sucht, „Ist das unsere Zukunft? Denn sie gefällt
mir kein Bisschen.“
Und Isaac
schweigt, geht in die Hocke und inspiziert die untere Ecke des rot-orangefarbenen
Feuermanns, bevor er schließlich entgegnet, „Ich kann mich nicht erinnern das
gemalt zu haben.“
Tippt an
die Stelle, an die die Signatur gehört und du siehst, dass sie auf den meisten
Gemälden in diesem Raum fehlt. Die signierten Bilder tatsächlich eine Rarität
sind und keine Zukunftsvisionen darstellen. Zumindest nicht augenscheinlich.
Dass das
Schicksal auf Isaacs Bildern ein Weltuntergangsszenario eröffnet und deine ausgefeilten
Pläne durcheinander wirbelt, macht dich unruhig. Du hast dich wohl gefühlt in
der Rolle, die für dich seit deiner Geburt vorbestimmt war. Der Einstieg, in
die Anwaltskanzlei deines Vaters, ist die Alternative, die dir bleibt, solltest
du diese Kongresswahl verlieren. Du wirst weich fallen. Zumindest warst du
davon überzeugt, als sich die Idee in dem Kopf eines aufstrebenden DAs geformt hat. Mithilfe deiner Mutter durchdacht und die
nötige Unterstützung gesichert.
Du kannst
diese verdammte Wahl noch gewinnen.
Irgendwie
verursacht diese Aussicht ein mulmiges Gefühl.
Wer will
schon einen Anspruch auf diese Zukunft erheben?
Reißt
dich zusammen, „Ist das die Antwort auf meine nächste Frage? Ob es Peter ist?“
Isaac
schaut hoch, blaue Farbtropfen hängen in seinem Haar und er zuckt die
Schultern. Da ist Mitgefühl irgendwo begraben unter der Eifersucht und du gibst
ihm das. Er ist kein schlechter Kerl, wenn auch ein schlechter Verlierer.
Vielleicht muss jeder Künstler das sein, um sich in seinem persönlichen Trauma
festzubeißen. Sie verkaufen sich eher, als die aufgeräumten Portraits von
Perfektion und Glück.
„Haben
Sie Geschwister, Mr. Mendez? Denn das - “ Du zeigst
auf ein Bild von Simone im offenen Skizzierblock, das sie und Peter küssend
unter einem Regenschirm zeigt, „Ist keine Tragödie. Es ist das Leben und wenn
ich Ihre Ex richtig verstanden habe, dann hatten Sie genügend Chancen Ihren Akt
zusammenzukriegen, bevor Peter auf der Bildfläche auftauchte.“
Isaac
steht mit einer flüssigen Bewegung auf, aufgebracht, „Ich bin jetzt sauber.“
Trocken, „Ich
bin mir sicher, dass dies nicht länger für Simone zur Debatte steht. Mein
Bruder dagegen schon.“
Du spürst
seine aufflammende Aggression. Die Wut, beinahe seinen Schlag auf dem Kinn und
ein einladendes Grinsen schleicht sich auf dein Gesicht. Eines, das sich seine
Faust verdient hätte und er weicht einen Schritt zurück und dann noch einen.
Gewinnt seine Kontrolle mit jedem Zentimeter zurück, bevor er zu der Leinwand
im Hintergrund geht, mit der er bei deinem Eintreten beschäftigt war.
Von der
Wasserflasche einen Schluck nehmend, schließlich bemüht gefasst, „Was außerdem,
Nathan? Nicht überzeugend genug?“
„Er ist
auf keinem der Bilder.“
„Er ist
verdammt noch mal unsichtbar.“
Isaac
umfasst die improvisierte Galerie mit einem Schwung. Wasser spritzt über die
Bilder und erwischt mit dem Bogen auch dich.
Du fährst
dir automatisch über die Wange, kurz davor die Geduld zu verlieren, „Ein Mann
ist leichter zu evakuieren, als eine ganze Stadt. Vor allem mit unserer
Begründung, können wir uns gleich in die Geschlossene einweisen. Propheten will
niemand hören und ich brauche verdammte Fakten zum Handeln.“
Die
Wasserflasche fliegt an deinem Kopf vorbei und yeah, der Künstler war zum Glück
nie Quaterback. Er schreit und du starrst
unbeeindruckt zurück, „Was erwartest du? Ein Scheiß Daumenkino? Ist es das, was
du von mir willst?“
„Ich will
einen Ausweg. Ist das so schwer zu kapieren? Peter ist hier auch Opfer. Du
gibst mir keinen einzigen Anhaltspunkt, wo ich ihn finden kann, um ihn ins
Gebet zu nehmen und notfalls aus New York zu schaffen.“
„Verzeih,
dass ich ihn als Täter sehe.“
Grollend,
„Vorverurteilung hat noch niemand geholfen, außer dem aufgebrachten Mob. Willst
du Lynchjustiz oder eine Katastrophe verhindern. Sei ehrlich, Isaac, und lass
es mich wissen.“
Er sackt
auf seinem Holzstuhl zusammen und du gehst eine weitere Runde. Versuchst
diesmal dich nicht von der Zerstörung blenden zu lassen, sondern Hinweise zu
sehen. Versteckte Indizien.
Du hast
keine Ahnung, worauf du achten musst.
Nur einen
verschwundenen Bruder und die Gemälde, die deinen Alptraum verdichten. Beinahe
greifbar machen und du blickst auf das orange-schwarz unter deinen Schuhsohlen.
Die Explosion, die deine Heimatstadt verwüstet und du schluckst, während sich
die Welt eine Spur zu schnell unter deinen Füßen dreht, die nicht auf dem Boden
stehen. Du hattest gehofft auf einen Junkie zu treffen mir keiner Unze
Glaubwürdigkeit in den Adern, stattdessen hat Isaac fast zuviel davon.
Zuviel
Eifer und zuwenig zu verlieren. Der Mut der Verzweifelten hat selten versagt.
Du gibst
dir Mühe, nicht zu hilflos zu klingen und scheiterst, „Es kann doch nicht so
schwer zu entschlüsseln sein, wenn wir Teile der Zukunft schon kennen. Peters
Rolle in all dem. Und wie sie zu verhindern ist.“
„Falls
sie zu verhindern ist.“ Isaac lehnt sich zurück auf seinem Holzhocker, die Energie
kehrt zurück und mit ihr auch aufkeimende Hoffnung. Er blickt auf sein neustes
Bild, „Nichts was ich male, muss passieren.“
Das sind
die ersten guten Nachrichten für dich in Wochen.
Er dreht
die Leinwand. Du hast Blut auf deiner Unterlippe und ein Arschloch-Grinsen in
Acryl. Der Fausthieb muss gesessen haben. Schüttelst den Kopf, „Du hättest
deinen Wurf besser koordinieren sollen, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.“
„Ich
hatte keine Chance. Du kennst dich besser mit unbekannten Flugobjekten aus als
ich.“
Dein
Lachen ist rostig und unangebracht, aber Isaac stimmt nach kurzem Zögern ein.
Es ist
ein Anfang und du bist spät dran für deinen Termin im Museum.
Chitter-chatter, all these secrets
started? Givin me the shivers -
Du hast
es dir in den letzten Tagen zur Gewohnheit gemacht bei Isaac vorbeizuschauen.
Sein Loft
liegt auf keinem Weg, den du täglich benutzt, aber die Strecke fühlt sich nicht
nach einem Umweg an. Er ist kein schwieriger Mensch, du kennst exzentrischere
und der Geruch nach Farbe wird vertraut. Wird angenehm und du bist kein
Kunstkritiker, aber er ist ziemlich gut. Zumindest in deinem zugegeben
amateurhaften Erachtens.
Die
Comics sind clever und du kaufst eine Kopie der kompletten Serie für Simon.
Eine für
dich. Du analysierst, was du kennst. Versuchst dann andere Anhaltspunkte zu
finden. Die Verbindungen sind einfacher zu sehen, wenn sie in bunter Farbe vor
dir ausgebreitet sind und du addierst Namen, Photos und Daten in einem
Nebenraum seines Apartments. Es erinnert dich ein wenig an Professor Suresh Wand des Wahnsinns. Aber hier in Lower
Manhattan sind es nur die Kopien und Polaroids von Zeichnungen eines Künstlers
und deine unleserliche Handschrift auf Post-it-Notes.
Dein Sohn
ist begeistert und die bald zerfledderten Seiten sind Beweis genug, dass du
nicht alleine mit deiner hohen Meinung bist.
Isaac
lächelte bei dem weitergegeben Kompliment, „Ich habe also einen weiteren Fan?“
Du willst
sagen, ‚Zwei.’ Aber es gibt keinen Weg, das nicht peinlich klingen zu lassen
und so unterlässt du es. Beißt dir auf die Zunge bis es schmerzt und erwiderst kurz
angestrengt sein Lächeln.
Selbstironischer
Nachtrag von ihm, „Meine Miete ist jetzt gesichert.“
Du lässt
ein Schnaufen hören, die Miete hier können die wenigsten aufstrebenden Wallstreet-Banker
zahlen. Simones Geld, Lindermans oder seines, die
Unterscheidung ist unerheblich. Egal wie heruntergekommen Isaac wirken will, du
bist dir sicher, dass sein Heroin rein genug war, um den Entzug nicht allzu
kalt werden zu lassen. Er sitzt an seinem Schreibtisch. In die Stille, die
konzentriertes Arbeiten beiderseits signalisiert, kommt die Frage mir einiger
Verspätung.
„Du bist
wie lange verheiratet?“
„Zehn
Jahre.“ Du überlegst für einen Moment, leise Korrektur, „Nein, elf.“
Isaac interessiert,
dieses saloppe Nachhaken, wenn man ziellose Konversation betreibt, „Liebst du
sie?”
Kein
Zögern, nie, nicht bei dieser Frage, „Ja.“
Aber da
ist kein blendender Scheinwerfer auf dich gerichtet.
Dein
Politikerlächeln fühlt sich im Zwielicht des Ateliers schmerzhaft an. Ohne dass
du in einen Spiegel blicken musst, weißt du, dass du es mit niemand teilen kannst.
Dass es selbst im Profil gefährlich für dich sein kann, weil es ein Vergehen offenbart,
das du für dich behalten solltest und du spürst seine neugierigen Augen.
Die
Schärfe unter dem weichen Ton ist merkwürdig, „Du bist am Steuer gesessen?“
Und du weißt,
dass die Antwort auf diese Frage, nie eine einfache sein kann.
Egal wie
oft du sie wiederholst, ein Teil von dir wird diesen Unfall nie fassen können. Nie
vor dir selbst rechtfertigen können. Nicht mit deinen Alpträumen und du kämpft
gegen die Unschärfe deines Blickes an. Gegen den Kloß in deiner Kehle und du
gehst zwei Schritte zurück, versuchst dich auf das große Bild vor dir zu
konzentrieren, das das unter deinen Füßen verhindern soll.
Der Boden
schwankt, aber du hast dich daran gewöhnt. Verlierst nicht den Halt.
Gibst ihm
Ehrlichkeit, vielleicht weil Isaac sie sich verdient hat oder du einen Priester
brauchst. Die Beichte fällt kurz aus, „Nein, ich habe die Kontrolle verloren.“
„So wie
jetzt?“
Du
müsstest nur den Arm heben, um die Decke zu berühren und fühlst dich trotzdem
in die Enge getrieben. Da passiert gerade zuviel in deinem geregelten Leben.
Die texanische Torheit hast du vor vierzehn Jahren mit Tränen beerdigt und
Meredith wieder zusehen, hat etwas geöffnet. Du weißt nicht was. Vielleicht die
Büchse der Pandora oder nur die Kombination zu den hunderttausend auf einem
Schweizer Nummernkonto.
Deine
Tochter lebt, du hast sie Papa sagen hören und vierzehn Jahre lang zweimal im
Jahr eine Kerze angezündet. Für ihren Geburts- und Todestag. Jetzt ist sie ein
Teenager mit einem traurigen Lächeln.
Schön
genug, um dein Herz und deine Vorsätze zu brechen.
Du willst
sie kennen lernen. Ihr Lachen hören und ihr die Welt zu Füßen legen. Deine
Mutter hat Recht, du bist zu gefühlsduselig, um klar zu denken. Betreibst
stattdessen unzureichende Ablenkungsmanöver.
Schweigst
und sinkst mit Anstrengung zurück auf den Fußboden.
„Liebst
du sie wie eine Schwester?“
„Was?“
„Heidi.“ Du
willst wütend herumwirbeln, stattdessen sacken nur deine Schultern ein. Deine
Gedanken waren überall, nur nicht bei ihr. Isaacs Stimme kommt einem
Schuldeingeständnis gleich, „Ich habe über den Unfall gelesen.“
Der
ätzende Unterton ist uneingeladen da, „Neugierig geworden?“
„Ja, ich
glaube, so könnte man es bezeichnen.“
Und du
wendest dich ihm mit einer halben Drehung zu.
Isaac
lehnt locker mit dem Rücken gegen die Wand. Das Licht ist auf den Schreibtisch
fokussiert und sein Gesicht liegt im Schatten. Perfekter Entwurf. Gelebtes
Klischees des Ermittlers und die Rolle passt nicht zu
ihm. Seine Finger wippen den Kohlstift fahrig auf und ab. Du solltest dich
nicht so schutzlos fühlen, aber der gesichtlose Schatten hat dich im Visier und
alles was fehlt ist ein Mikrofon unter deiner Nase. Du spürst plötzlich jede
Verkrampfung im Rücken, jeden verknoteten Muskel und rollst unbehaglich die
Schultern.
Wünscht
dich hier weg und deine Augen suchen nach dem Jackett zusammen mit dem
Aktenkoffer. Findest beides in der Küchennische. Sorglos abgestreift und
vergessen. Du hast keinen Grund hier zu sein und du verlangst endlich eine
Erklärung von dir dafür, was zur Hölle du hier suchst außer einer Rechtfertigung
und einen freien Kopf eben diese zu finden.
„Simone –
" Er räuspert sich unbehaglich, „Sie hat alles gesehen, was es zu sehen
gab. Ich meine, das hässlichste und abgrundtief narzisstische, wozu ein Junkie
sich treiben lässt und sie ist geblieben. Zurückgekommen für mehr. Sie hatte
noch immer ihre Liebe in den Augen. Egal, welcher Facette sie von mir begegnet
ist. Selbst wenn ich mir nicht im Spiegel begegnen konnte, habe ich ihr in die
Augen blicken können. Sie ist furchtlos meinen Dämonen von Angesicht zu
Angesicht gegenübergestanden. Ich – ich vermisse das.“
„Diesen bewundernden
Blick?“
Er lacht
verlegen, „Ja, mehr noch als ihre Gesellschaft. Ist das nicht krank?“
Du sagst
nichts für eine Weile, dann müde, „Ich weiß zu genau, wovon du redest.”
Ihr teilt
diesmal kein Lachen, sondern nur die unangenehme Stille von dreckigen
Wahrheiten über vergangene Egotrips. Ihr seid zu hoch geflogen, wenn auch auf
unterschiedliche Weisen und habt die Frauen, die euch liebten, dabei
zurückgelassen. Es gibt keinen Weg zurück und vielleicht wäre es einfacher,
wenn diese Frauen die Reue nicht so sehr wert wären.
Nicht
jedes Bisschen Schmerz, was ihr über den Verlust fühlt und diese Glaswand, die
zwischen euch und eurer Vergangenheit steht. Es ist kein Spiegel mehr, sondern
ein Zerrbild und die Monster sind zu vertraut, die euch dort begegnen.
Ihr habt
versagt und der Stich brennt.
Brennt so
sehr, dass die Explosion unter deinen Füßen euch nicht alles nehmen kann. Einen
Teil habt ihr bereits vorher unwiederbringlich verloren. Fokussierst dich auf
das Wesentliche und nicht diesen Blick in deiner Erinnerung, den du vermisst.
Denn du bist Narzisst, aber kein Vollidiot und es gibt Dinge, die sich
verhindern lassen, während du andere nur akzeptieren kannst. Du bist noch
dabei, diese Unterscheidung zu treffen, als das Kratzen seines Stiftes zurückkommt
und du atmest gezielt um den Knoten.
Es ist
einfacher mit dem Wissen, dass du nicht alleine damit bist.
Vielleicht
ist das der einzige Grund, der für dein Hiersein zählt.
Plain and simply broken down near
Du suchst
nach einem Rotstift für ein neues Opfer von Sylar. Ein
kräftiger Farbton, der blutrot dein verdammtes Schneckentempo mahnt, die
Verbindungen und entsprechenden Schlussfolgerungen zu enträtseln, bevor es für
andere zu spät ist. Dieser Serienmörder bringt dich um den wohlverdienten
Schlaf. Du hast immer Morddelikte vorgezogen, die ein eindeutiges Motiv
besitzen. Sei es nun Habgier oder Liebe, anstatt eine kranke Psyche zu
durchleuchten. Du bist kein Profiler und du kannst
keine Nummer wählen, an deren Ende jemand deine Theorie für voll nehmen würde.
Erinnerst
dich unbehaglich an Odessa und die unangenehmen Fragen der Feds,
die genauso im Dunkeln tappten wie du. Der Professor ist kein Psychologe,
sondern Genetiker und du willst keine drittklassigen Hypothesen über eine
lieblose Mutter und verhunzte Kindheit hören, die du dir selbst ausmalen
kannst. Du benötigst einen Durchbruch oder zumindest einen verdammt guten
Kontakt in der Exekutive, beides ist nicht in Reichweite. Niemand dem du mit
diesem Geheimnis vertraust und du bist den
Verschwörungstheorien in deinem Kopf so überdrüssig.
Du willst
Sylar nur stoppen und das morden enden lassen.
Du willst
nur wissen, wo der Irre ist und wie er zu besiegen ist.
Und dich
dann um die nächste, die wahre Bedrohung kümmern.
Anscheinend
ist das zuviel verlangt und du seufzt frustriert. Dass dein Marker bloß ein
schwaches Rot von sich gibt, hat nicht den Grund, dass du vergessen hast den Deckel
zu schließen. Du hast es aufrichtig satt, drei Schritte hinter dem Verdächtigen
im Pfad der Verwüstung zu taumeln.
Dein Fund
ist nicht geplant.
Zumindest
nicht von dir und dass das oberste Blatt schräg wie eine unausgesprochene Einladung
drapiert liegt, erscheint zu durchtrieben für Isaac. Du hast nicht nach Spuren
in seinen neuen Skizzen gesucht, sondern nur nach einem verfluchten Rotstift
auf seinem Arbeitstisch.
Eine
Aufgabe, die im Grunde ohne Ablenkung auskommen sollte.
Ohne unangenehme
Überraschungen. Sylar ist aus deinem Kopf verschwunden,
in dem Augenblick als du begreifst, auf was du gestoßen bist. Du blätterst hektisch
durch den Inhalt des Ordners und kannst dich nicht entscheiden, ob du
leichenblass oder rot werden sollst. Die Männerkörper sind nicht das, was dich
verlegen macht. Deine Mutter hat dich durch genügend Kunstausstellungen geschleppt,
um dir ein dickes Fell in dem Bezug mitzugeben.
Auch
nicht die Position und die explizite Natur.
Was dich
aufbringt, sind zwei Fakten. Eigentlich drei.
Erstens mit
ein wenig gutem Willen und viel künstlerischen Freiraum - vor allem im Bezug auf
die Schwanzlänge - ist Subjekt Nummer eins du; Subjekt Nummer zwei ist Isaac.
Zweitens der Maler malt die Zukunft – äußerst präzise in diesem Fall - und
drittens soweit du informiert bist, seid ihr nicht bisexuell. Du bist aus der
Probierphase entwachsen, seit dem zufälligen Zusammenstoß mit den C-Körbchen
deiner französischen Nanny im zarten Alter von neun. Du warst dir seit damals
sicher, was du wolltest. Was wiederum die Positionen, in denen ihr euch laut
dieser Kohle-Skizzen befindet, so ziemlich unmöglich machen sollten.
Aber
offensichtlich ist Isaacs Fantasie weniger beschränkt als deine.
Es ist
nicht Isaacs übliche Comicstil mit dem du inzwischen vertraut bist, sondern die
Art, die man in Museen findet. Die dich an die anatomischen Studien Da Vincis
erinnert, nur weniger sittsam. Die irgendwo in einer Privatsammlung gelandet
sind oder im Feuer. Du bist widerwillig fasziniert, denn Isaac ist genial und
der Stil sagt deinem Kunstverständnis eher zu.
Du bist
Laie auf mehr als einem Gebiet wird dir klar, als du langsamer durch die
Skizzen zurückblätterst. Die Positionen durchdenkst,
die vor dir ausgebreitet werden und von denen du nicht angenommen hast, dass
sie möglich sind.
Hauptsächlich
weil du nie darüber nachdenken musstest.
Isaac hat
dein Konterfei für seine intellektuelle Wichsvorlage genutzt und wenn diese
Bilder in falsche Hände kommen, sieht es um deine Zukunft nicht so rosig aus.
Du hast bereits Lindermans Stiefel im Nacken für eine
unbedachte Nacht, in der du dich nicht schuldig fühlen wolltest. Deine Haare sträuben
sich bei dem Gedanken, was man von dir hierfür erpressen könnte, ohne dein
Wahlkampfbudget aufzufüllen.
Du weißt,
dass Isaac nicht gedacht hat, als er die Bilder zeichnete. Du erkennst den
Unterschied in eurem Denken so deutlich in diesem Detail. In der Art, wie du
dich auf die Bedrohung fixierst und er auf die Möglichkeit. Ihr seid beide
nicht redselig, wenn es um eure Obsessionen geht und wahrscheinlich klappt
deshalb eure Zusammenarbeit. Dass es mehr als Teamwork war, ist dir bisher
nicht in den Sinn gekommen und dein Gehirn fährt sich in der Bedrohung
derselbigen fest.
Du willst
das nicht aufgeben, was du in ihm gefunden hast. Was immer es auch ist.
Du willst
nicht wie ein Zombie von einem Termin zum nächsten wanken, ohne dass du die
Hintergründe durchschaust. Oder zumindest das Potential in Erwägung ziehst. Du willst dich bei dem Anblick der Skizzen nicht
heiß und lebendig fühlen und tust es trotzdem.
Deine
Finger zittern, die das raue Papier halten. Die feine Körnung zu
Schmirgelpapier unter deinem Zeigefinger machen, als er der Kurve von Isaacs
Rücken auf einem Bild fast zwanghaft folgt. Dein Mund ist trocken und du
versuchst dich dazu zu zwingen, den Ordner wegzulegen und über die Entdeckung
hinwegzugehen, wie ein Mann, der über solchen Akten steht.
Aber der
Akt vor dir hat deine volle Aufmerksamkeit.
Die
realisierte Möglichkeit im Gegensatz zur Potenz, der nicht realisierten. Dass
du eure Denkweise griechischen Philosophen anvertraust, zeigt wie sehr du nicht
mit dieser Situation umgehen kannst. Wie überfordert du von deinem eigenen
Verlangen bist, Isaacs Potenz auszuschöpfen.
Dass
deine Mutter dich als Fußabtreter benutzen würde, wenn sie wüsste, dass du die
hunderttausende von Dollars an Schulbildung hierfür verschwendest, erscheint in
der Tat noch als zu gnädig.
Nicht
dass sie dir diese Schwäche nicht letztendlich verzeihen würde.
Dass der
Gedanke an deine Mutter, deinen Schwanz nicht mal auf Halbmast bringt, sagt
dir, dass du gehen solltest. Sofort. Das Akt und Potenz für dich nur sexuelle
Begriffe sind, du ein Idiot mit Erektion bist und dein Interesse geweckt.
Du hörst
als Isaac das Wasser abstellt und das Ende deiner mentalen Auszeit einläutet.
Dir
bleibt Zeit genug zu gehen, dich anderwärtig zu beschäftigen und du bleibst am
Arbeitstisch sitzen. Egal ob Aristoteles deiner Lebenseinstellung Recht gibt,
du weißt, wann du einen taktischen Fehler begehst. Das könnte dein Waterloo
werden, aber die Bombe auf Isaacs Atelierboden setzt es noch immer ins nukleare
Verhältnis und der Rotstift am Rande deines Sichtfeldes, erinnert dich an zu
viele Schicksale, die abrupt beendet worden sind.
Abwarten
ist nicht deine Stärke, aber weglaufen noch viel weniger.
It’s getting
bluer
Die
Gegenüberstellung ist keine Konfrontation, Flucht keine Option. Ein Räuspern
hinter dir und denkst, dass Isaac zum ersten Mal Grund hat, beschämt zu sein
und es ausbleibt.
Selbstbewusst,
„Ich gehe davon aus, dass du meine Porno-Sammlung gefunden hast?“
Das
Lachen in der Stimme ist unverkennbar und du stöhnst ein wenig überfordert, „Was
zur Hölle?“
„Nun, ich
hatte die Wahl, dich darauf anzusprechen oder auf deine Schnüffeleien und mein
Glück zu vertrauen.“
Diesmal
drehst du dich ihm aufgebracht zu und er kommt barfuss mit nassem Haar auf dich
zu. Zuckt unbesorgt die Schultern, „Du hast dich hier eingelebt, Nathan, ansonsten
wärst du spätestens gegangen, als ich sagte, dass ich duschen gehe.“
Du kannst
dieser Logik nicht widersprechen und Isaacs Grinsen sagt dir, dass er es
genauso gut weiß wie du. Er stellt sich neben dich, tippt ungeniert auf das
Papier, „Es war nur eine Frage der Zeit, bis du darauf stößt.“
Heiser
und steif in einem, „Auf was genau bin ich gestoßen, Isaac?”
„Nach was
sieht es aus?“
Es ist
wirklich nicht so schwer, diese Bilder zu interpretieren.
Was sie
in dir auslösen dagegen schon.
Isaacs
Signatur sagt, dass er die Skizzen nicht unter Zwang gezeichnet hat, sondern
zum Vergnügen. Dass dies eine Wahl ist, die du fällen kannst und keine
Prophezeiung in Kohle und Papier. Dass du trotzdem Asche atmest - die Luft zu
dick für deine Lungen zu sein scheint, geht auf dein eigenes Konto.
Was
leicht klingen sollte, fällt eine Nuance zu tief aus, „Ist das der rosa Elefant
im Zimmer, den ich übersehen habe?“
„Über die
Farbe würde ich streiten, Nathan. Nur stell dich nicht blind.“
Die Augenbinde
war angenehm und du hältst die Metapher über das Anfassen des Elefanten drin.
Du bist dir ziemlich sicher, dass er ihn sowieso für einen Pinsel hält, während
du einen Baumstamm spürst oder ein Palmblatt.
Es ist
eine dieser sinnlosen Diskussionen, die man schon beim leisesten Widerspruch
verliert. Deine Niederlage ist erfolgt, als du nicht zwanglos darüber
hinweggegangen bist und hier an seinem Tisch Stellung bezogen hast. Du
protestiert trotzdem, vielleicht weil es das Klischee erfüllt und du diesem bei
dem Melodrama in deinem Leben nie widerstehen konntest. Peter ist nicht die
einzige Dramaqueen in der Familie und du hast es
vorher gewusst.
Immerhin
hast du dein Leben nicht nur einmal für die Kameras inszeniert.
Die
Wahrheit ist einfach genug. Die Zuversicht, dass Isaac dich Lügen straft,
irgendwo in der Tiefe deines Bauches. Bestimmt, „Ockhams
Rasiermesser, Isaac, ich bin verheiratet und Vater von zwei Söhnen.“
Er hat
diesen nachsichtigen Ton, „Du bist auf dein Uni-Diplom sicher stolz, was mich
zum nichtvorhandenen Elfenbeinturm und Schutzbehauptungen bringt. Die Hypothese
ist simple. Ich habe mich oft genug in meinem Leben geirrt, aber selten
hierbei.“
Vor dem
Fund hättest du ihm wahrscheinlich ins Gesicht gelacht.
Nun
erforderte es bereits Mut seinem klaren Blick zu begegnen.
Du ahnst,
dass er sich öfter in dem Bezug geirrt hat und ihm bis jetzt nur selten jemand widerstehen
konnte. Du hast noch nie den Süchtigen in Isaacs Augen gesehen, aber das nackte
Bedürfnis dort verschlägt dir die Sprache. Macht dich unkomfortable in dem Loft,
in dem du dich in den letzten Wochen unbeschwert bewegt hast. Ohne Nachdenken
und du versuchst dich auf die Wassertropfen auf seiner Brust zu konzentrieren,
aber der ungeschützte Ausdruck weiter oben lässt dir keine Ruhe.
Zwingt
deinen Blick hoch und jeder Grund, der hiergegen spricht erscheint banal gegen
das offene Versprechen auf deine Erfüllung, das dort dunkel schimmert. Ruhig
und sternenlos. Dich anlockt und deine Sinne Amok laufen lässt, ohne dass er
sich bewegt. Ohne dass Isaac das geringste tut, das seine Skizzen hier
unabwendbar macht und du bist kein Feigling. Du bist nur jemand, der seine
Leidenschaft nicht in Zaum hat und dessen Neugier aufgerüttelt wurde.
Ein Mann,
der weiß, dass das irgendwann sein Ende sein kann.
Nur politisch
oder für diesen Körper fatal.
Der
Umschwung kommt so kriechend wie das Wetter, das über den Himmel zieht.
Genauso
unabwendbar und die Entscheidung ist gefallen, bevor er ins Zimmer gekommen
ist, wenn du ehrlich mit dir selbst bist. Du denkst nicht, denn das hier ist unbekannt
und deine Füße brauchen nicht den Boden zu berühren, um dich ans Ziel zu
bringen.
Es ist
dieselbe Unbesonnenheit, die dich erstmals deine Kräfte entdecken ließ. Einfach
abheben und du kannst nicht fliegen. Nicht für die Kameras, eine rettende
Trendwende oder Newsreporter. Aber du kannst es in
den Augenblicken, in denen niemand dir Beachtung schenkt. In denen es keine
Diskussion auslösen wird und das fühlt sich nach so einem Augenblick an.
Nicht
nach einem Unfall, der nur darauf wartet zu passieren.
Und du
bist mit dieser Metapher noch immer nicht im Einklang, auch nicht mit deiner
Fähigkeit. Nicht ansatzweise. Aber mit Isaacs Fingern in deinem Haar schon. Mit
der Strömung in deinem Inneren, die jeden Zweifel auseinander treiben lässt,
wie Wolken an einem brillanten Herbsttag. Dieselbe Unbeschwertheit und du ziehst unbeholfen an seinem Arm. Unausgesprochen, du hast
nicht den geringsten Schimmer, um was du bittest, bis du Isaacs Lippen gegen
deine gepresst fühlst. So verdammt erfahren.
Keine
Fragen aufwerfend, sondern nur nehmend.
Du hast
Sucht nie verstanden. Nie über das rationale Maß. In der Theorie. Aber du
verstehst, wie gefährlich das hier für dich sein kann und ziehst scharf die
Luft ein. Es gibt tausend Wege politischen Selbstmord zu begehen und das ist
einer davon. Seine Stoppel gegen deine, die verhaltene Kraft in seinem Griff.
Du kannst die verborgene Stärke mit geschlossenen Augen sehen, die Simone ein
ums andere Mal zurückgelockt hat. Die einen an sein Gutes glauben lässt, egal auf
welche Art er gerade sein Leben versaut.
Dein Kopf
im Nacken und die Unterwerfung will folgen.
Was folgt
ist Isaacs Zunge und du vergisst, was du gerade gelernt hast.
Vergisst,
wo deine Limits liegen und was es mit der dunklen Zukunft auf sich hat. In dem
Augenblick, in dem alles sich zu einem zusammenzufügen scheint und dein Körper
auf Sexmodus umschaltet. Du nicht sagen kannst, wo oben und unten ist. Nur was
sich gut anfühlt. Was dich anstachelt und Isaac trifft jede peinigende
Abstufung davon. Diese Erschütterung gefährlicher ist und du drückst dich hoch,
ihn halb auf den Schreibtisch.
Der
Versuch auf gleiche Höhe zu gelangen, auf dieselbe Stufe von Bevormundung und
er lässt dich gewähren. Versuchst den Grund unter deinen Füßen zu spüren und
fällst in die Einladung seines Mundes. So tückisch und bedingungslos.
Du hast
dich in Wochen nicht so am Leben gefühlt und es ein Rausch.
Vertraut
in der kompromisslosen Härte, die mit undurchdachtem Verlangen einhergeht.
Dich
antreibt und du hast nackte Haut unter deiner Handfläche. Feuchte Glätte. Ganz
egal, ob die Haare zu drahtig für deine üblichen Sexpartner sind. Die andere
Erektion Furcht einflößend präsent. Es ist nicht das, was du willst, aber du
brauchst Isaac und sogar in deinem Kopf hört sich diese Ausrede billig an. Du
presst dich mit deinem Gewicht auf ihn. Ungebremst und er stöhnt gedämpft.
Irgendwo
tief in der Kehle und der Reißverschluss stellt kein Hindernis dar.
Wann tut
er das schon wirklich?
Ist
überwunden, bevor du nachdenken kannst, was genau du hier treibst und er. Warum
es wichtig ist, dass er nicht die Kontrolle hat, sondern du. Das Gefühl eines
anderen Schwanzes als deinem, ist seltsam und heizt ein Stück von dir an, das
nicht zum Rest zu passen scheint.
Nicht zu
deiner Vergangenheit und du hast dir immer genommen, was du wolltest, aber du
hattest keine Ahnung, dass du dem hier erliegen könntest. Seidige Härte und
sein Stöhnen, hilflos in deinem Griff und du verstärkst ihn. Deine Geschwindigkeit
und Isaac keucht stockend. Die Finger in deinem Haar
schmerzen und die Hitze deiner Handfläche sendet einen Flächenbrand durch
deinen Körper, zusammen mit seinem unartikulierten Stammeln.
Kein
echter Dirty Talk, nur Wörter, die ihre Bedeutung
einbüßen. Dich aufhorchen lassen.
Du weißt,
dass Isaac auf der Grenze ist und es gibt keinen Grund, seinen Orgasmus
hinauszuzögern. Du richtest dich ein Stück auf, genug um scharf zu sehen.
Seinen Atem auf deinem Gesicht. Seinen Höhepunkt direkt unter der Oberfläche. Flammendes
Inferno, was er in jeder Farbe des Regenbogens gemalt hat und lebt, wird dir
klar. Da ist nichts friedliches, nur der Augenblick als er sich übergibt. Fallen
lässt und du hoffst, dass dein Halt genug ist, denn du bist dir nicht sicher.
Hast
nicht hiermit gerechnet und du keuchst in seine stille Niederlage.
Er erwacht
wieder. Weicht aus - schiebt, bis deine nackten Oberschenkel gegen die
Tischkante lehnen. Isaac auf den Knien und du kennst
diese Variation. Bist schlussendlich zurück auf vertrautem Boden, mit einem
Mund um deinen Schwanz. Seinem.
Es
gleicht dem Moment, in dem du in Überschall wechselst.
Der qualvolle
Ruck durch jedes Molekül. Dieses Reißen. Das Gefühl, dass deine Haut die
Belastung nicht aushält an den Enden ausfranst und du einen Teil abstreifst,
der dich human macht. Essentiell menschlich. Bevor du deine Finger in sein
feuchtes Haar bringst und dich auf seine Zunge konzentrierst. Du lässt dir nach
deinem Höhepunkt eine halbe Minute Zeit mit deiner kopflosen Flucht und du
denkst, dass das zulange war, um Isaac abzuschütteln.
Zumindest
in deinem Kopf, denn du bist nicht prüde.
Aber sein
Blick ist dir unter die Haut gegangen.
Dieses
Versprechen auf mehr, das in ihm brannte. Und diese Versessenheit auf ihn ist schlecht.
Ganz schlecht. Denn eigentlich hast du wichtigere Anliegen, die deiner
Aufmerksamkeit bedürfen, als seinen verwirrten Ausdruck nachdem du ihn auf
Abstand gebracht hattest.
Du fragst
dich, ob er je damit gerechnet hatte, dass sein Plan aufgehen könnte. Isaac
weckt nicht den Beschützer in dir, sondern den Eroberer und du bist dir nicht
sicher, ob es das ist, was er sich verdient hat. Er ist noch auf den Knien, als
du die Tür hinter dir zuschlägst und dir einen kurzen Blick durch die
Fensterfront gestattest.
Du bist
nicht zur Salzsäule erstarrt, aber ein Teil von dir ist dort geblieben.
Kniend
auf dem Boden mit ihm. Verloren.
Und Sodom
wird noch immer brennen, trotz der Klimaanlage deines Büros.
- and you can’t keep faking
Isaacs
Ton am Telefon ist ganz Business. Versteinert, ohne Raum für Diskussionen auf
Distanz. Lässt dich in der Schwebe und du solltest dich dran gewöhnt haben,
aber keine zwei Stunden später marschierst du durch die Feuertür.
Dass er dir
so leicht zusetzen kann, ist besorgniserregend.
Nicht mit
seinem Talent und du weißt nicht, warum du verärgert bist. Was sich alles in
dir aufgestaut hat, seit deiner letzten Entladung hier. Dem Kurzschluss, den du
so hart aus deinem Gedächtnis gestrichen hast, dass er noch immer Gegenwart
ist. Deine Sicherungen sind nicht repariert und du denkst an Blitzableiter und aufziehende
Gewitter.
Diese
warnenden Vorboten, die drückend in der Luft hängen.
Überlegst,
ob Isaac überhaupt das Ziel deiner Wut ist oder nur willkommenes Opfer in
Reichweite, weil du selbst nicht weißt, was du genau willst und dich deine
Inkonsequenz anwidert. Wohin deine Unschlüssigkeit führt, außer in eine
Katastrophe, ist dir unklar.
Das ihr
eine verhindern wolltet, erscheint plötzlich zu lange her zu sein.
Wurde mit
einer Nacht ausradiert, die du nicht streichen kannst. Da ist soviel ungeklärt
zwischen euch und du bist es gewöhnt, Schwierigkeiten dieser Art mit fetten Schecks
zu lösen. Doch du weißt auch, wann sie wirkungslos bleiben. Es den Schlag von Menschen
gibt, der Schadensbegrenzung erwartet und keinen billigen Schadensersatz. Reue
sich nicht bezahlt macht, wenn sie bloß zum Blenden aufgesetzt wurde und du
bedauerst einiges, aber nicht dass du in dieser Nacht ganz kurz die Stellung
gehalten hast.
Es ist
eine Erfahrung, die du nicht missen möchtest und du spekulierst abwesend, bei
wem gut formulierte Entschuldigungen auf taube Ohren stoßen. Idealisten sind
nicht käuflich. Halsbrecherisch für deine Karriere und du bist
ein Himmelsstürmer, aber da hört deine Begabung auch schon auf.
Du
erwartest keine Schweigegeldforderung von Isaac, sondern emotionale Erpressung
und du stehst unentschlossen im Gang, weil du nicht abschätzen kannst, wie du
darauf reagieren wirst. Denn du willst zuviel und kannst zuwenig geben.
Siehst
ihn durch die Glasfront arbeiten und er hat deine Anwesenheit nicht bemerkt.
Ohne
Licht, das dich ankündigt keine Überraschung.
Die
Vehemenz mit der er die Leinwand bearbeitet, grenzt an Besessenheit und du hast
ihn selten im großen Stil malen sehen. Meist arbeitete er an den Comics oder
seinen Skizzen, feine Striche und leichte Stiftführung. Nicht in diesen
unkoordinierten Bewegungen, die automatisch die Frage aufwerfen, wie überhaupt
ein ansehnliches Bild am Ende herauskommen kann.
Der
Anblick macht dich schwindelig und du trittst ein, ohne Klingeln oder Klopfen.
„Du hast was,
das ich sehen sollte.“
Sogar du
kannst den defensiven Unglauben von deiner Stimme kratzen.
Isaac erstarrt,
bevor er das Kinn trotzig vorschiebt und dreht die Leinwand zur nächsten Wand,
lange bevor du in seine Nähe kommst. Die Geste ist fast vertraut. Er wahrt sich
seine Geheimnisse, während er mit anderen hofiert.
Verhalten
von ihm, „Yeah, mich.“
Das Drama
in seiner Stimme fehlt. Er sieht überarbeitet aus, zu müde und du trittst auf
ihn zu. Er weckt den fürsorglichen Zug, der eigentlich für deine Familie
reserviert ist oder eine unausgereifte Idee. Sein Schlafmangel ist offensichtlich
und du wunderst dich, wie viel davon auf dein Konto geht und wie viel auf seine
Besessenheit. Du willst nicht zu seiner Misere beisteuern.
Leises
Vortasten, nicht ganz sicher, worauf du abzielst, „Müssen wir reden?“
„Besteht
Klärungsbedarf?“ Er beobachtet dich, wachsame Augen und keine Erwartung. Wirbelt
deine schwarzseherischen Gedanken durcheinander, die nur ein Ziel seines Anrufs
aufführten und du verlagerst unbehaglich dein Gewicht unter der Wucht seines
Blickes. In die spannungsgeladene Stille von ihm, „Gleitcreme und Kondome sind
in der obersten Schublade des Nachttisches.“
„Ist das
eine – " Brichst ab, rhetorische Statements haben die Tendenz zu
Abnutzungserscheinungen, aber du kommst trotzdem nicht umhin zu fragen, „Du
hast mich zum ficken hierher bestellt?“
Lauernd, „Irgendwas
in deinem Terminkalender um diese Unzeit, das mich trumpft, Nathan?“
Es ist
Mitten in der Nacht. Der Dienstag gerade eine halbe Stunde alt.
Deine
Haut kribbelt und du kannst dein Verlangen schmecken. Diesig und trüb. Der Ton
in dem er die Frage stellt, ist unheimlich, aber du bist zu beschäftigt mit der
eigentlichen Frage, um dich darum zu kümmern. Damit dass deine Sicherungen
erneut durchbrennen.
Dass du
nicht aus der Tür stürmst, ist für Isaac Antwort genug.
Romantische
Fallstricke liegen nicht im Weg und Isaac kommt auf dich zu, mit der
Entschlossenheit eines Todeskandidaten. Ob dich das zum Henker oder Zuschauer
macht, bleibt offen und du denkst, dass es sich nicht so abgeklärt anfühlen
sollte.
Nicht so
verdammt stoisch seinerseits.
Die
Unsicherheit schleicht sich ein, „Was ist los?“
Er greift
nach deiner Krawatte und löst den Knoten, abweisend, „Ich will nicht reden.“
Du denkst
ein sarkastisches Okay, bevor du deinen
Gefühlssensor abschaltest und dich von deinem Schwanz leiten lässt. Dich auf
den Farbfleck auf seiner Wange konzentrierst und dich von den Sprenkeln auf
seinem Handrücken ablenken lässt.
Dem
Geruch von frischer Ölfarbe, den du nur mit ihm und diesem Ort verbindest.
Die
Krawatte fällt und die Knöpfe sind sein nächstes Ziel. Sicheren Händen lösen die Aufgabe geschickt, deine Kleider abzustreifen und du
stehst auf verlorenem Posten. Lehnst dich hilflos vor, dein Mund gegen seine
Lippen und deine Hände kommen hoch. Pressen ihn gegen deinen Körper, aktivieren
deinen Instinkt, ihn auf das Bett zu navigieren. Keinen Raum für höhere
Funktionen zu lassen, sondern alles mit einem Scharfzeichner versehen, der jede
Kante und Ecke härter werden lässt.
Ein
Kaleidoskop von Impressionen in dir kreisen lässt.
Isaac
gibt dir Aufwind und Thermik in einem.
Du
brauchst beides nicht um abzuheben, sondern nur seine Lippen gegen deine Kehle.
Seine eleganten Bewegungen unter dir. Sein Keuchen unter deinen Fingerspitzen,
die brennen. Deine Haut, die glüht und du versenkst
dich in ihm. Zusammen mit deinen Problemen, die unrelevant sind. Warten können
auf den Moment, wenn du wieder denken lernst und vergisst, dass du auch nur mit
Empfinden auskommen kannst. Es eine Existenz wäre, die erstrebenswert ist, wenn
es sich so anfühlt.
Die
Schwerkraft kommt mit dem Morgengrauen zurück und dein ungutes Gefühl.
Du kannst
fast die Schlagzeilen lesen, mit denen die Pressegeier aufwarten würden, die
jetzt noch um eine Audienz betteln. Um dich kreisen und auf einen Fehltritt
warten. Isaac geht es nicht um deine Karriere, die er mit einem unbedachten
Wort an den Sargnagel hängen könnte, sondern um die Zukunft, die in der Schwebe
pendelt.
Du liebst
ihn nicht, aber das heißt nicht, dass er dir egal ist.
Seine angestrengte
Miene beobachtest du mit Besorgnis. Selbst im Schlaf ist Isaac nicht unbelastet
und deine Finger streichen über die Linien seines Mundwinkels. Er seufzt, dreht
sich in deine Handfläche. Politischer Selbstmord klingt harmlos im Vergleich zu
den Alternativen, die er aufzeichnet.
Du
versuchst dich davon zu überzeugen, dass Isaac nicht deine Verantwortung ist.
Dass er erwachsen ist und weiß, was er tut oder unterlässt. Hoffst, dass er
weiß, was er mit dir teilen kann und dass ihr zusammen auf einer Obstkiste
platz habt. Du würdest ihm sogar den Vortritt lassen.
Die
Schlinge um deinen Hals ist nur in deinem Kopf.
Es ist
nicht so, als ob sie dich im wahren Leben töten könnte. Gravitation ist nicht
dein Fall, sondern Isaac. Bringst deine Stirn gegen seine. Versuchst deinen
Kopf zu klären und dich nicht von deinen närrischen Anwandlungen überwältigen
zu lassen. Kämpfst mit derselben Entschlossenheit dagegen an, die er nachts
zuvor in diesem Bett auf dich angewendet hat.
Du stehst
schließlich auf, nicht leise genug, um Isaac nicht zu wecken.
Seine
ruhige Aussage kommt trotzdem aus dem Nichts, „Ich verschwinde aus der City.
Für ein paar Wochen.“
Bleibst
auf der Bettkante sitzen, „Das ist unerwartet.“
„Du
denkst, es ist feige.“ Er gibt dir ein altes Lächeln, das nicht in sein junges
Gesicht passt, „Was mir an Rückrat fehlt, Nathan, mache ich durch Weitsicht
weg. Nebenbei bemerkt, denke ich, dass du die Welt retten wirst.“
„Zumindest
Manhattan steht auf dem Plan.“
Zustimmendes,
„Mmh.“
Ein
Punkt, an der Decke hält seinen Blick, weit weg und die Distanz ist das Wissen
über die Zukunft, das er nicht in Bilder fassen kann. Milde Bewunderung von ihm,
„Ich schätze dich als jemanden ein, der seine Pläne in die Tat umsetzt. Ich
habe mich nie zu welchen aufraffen können, wie Simone dir sicherlich bestätigen
wird.“
Leises
Eingeständnis deinerseits, „Du warst nicht geplant.“
Sein
Lächeln verwischt die Linie um seinen Mundwinkel, macht sie weich und ihn
einnehmend, „Ah, Überraschungen machen das Leben lebenswert.“ Er fixiert dich, aufgesetzt
leichter Ton, „Ich male keine Explosion, seit wir unser Projekt gestartet
haben.“
„Das ist
gut.“ Du weißt, dass das nicht alles ist und weißt nicht, wie die Frage lautet,
die dich in seine schwärzesten Geheimnisse einweiht. Die magische Formel, die
den Tresor öffnet oder die sieben Siegel knackt.
Stille Äußerung
in sein Schweigen, „Was hast du dann gemalt, als ich gestern ankam?“
Er dreht
sich auf die Seite, greift nach deiner Hand und verschränkt eure Finger. Starrt
nachdenklich auf die Verbindung, seine sind noch immer verschmiert und du
spannst deinen Griff an. Es fühlt sich gut an, besser als es sollte. Du weißt
nicht, ob du ihn halten kannst und all die Alpträume, die er verkörpert und du
kannst nichts gegen den Reflex tun, es zu versuchen.
Dieser
Wunsch, seine Schreckensbilder verschwinden zu lassen, nimmt Überhand.
Vortastend,
„Isaac?“
Er
antwortet zögernd, „Die nächste Plage. Aber die hat noch mindestens ein Jahr
Aufschub, wenn ich nach dem Flyer-Datum gehen kann,
die durch New Yorks vereinsamte Straßen flogen.“
„Ist es
das gewesen?“
„Ist es
nicht das, was wir wollten? Die Explosion verhindern.“ Isaac sucht deine Augen,
„Das Leben der Helden geht mit der nächsten Mission weiter. Hast du nie vorher
ein Comic gelesen, Nate?“
„Sind wir
denn Helden?“
„Ich bin
davon überzeugt, dass du zumindest einen Stein ins Rollen gebracht hast, der
uns vor dem brisanten Showdown bewahrt. Das ist sehr heldenhaft.“
Amüsiert
von dir, „Dass die Lawine auf deine Kappe geht, ist dir klar?“
Irgendwo
klappert ein Fenster und du starrst den Mann hart an, der deine Selbstkontrolle
in ein buntes Nichts verwischen kann. Vorsätze umwerfen, als ob du noch nie in
deinem Leben eine einzige harte Entscheidung treffen musstest. Mit wenig mehr
als einem viel versprechenden Blick und du verstehst nicht, warum er diesen
Einfluss auf dich hat.
Wie er
ihn so schnell gewinnen konnte. Du bist in der Regel standhafter.
Deine
Beherrschung ausgewogener.
Er gibt
dir den Gefallen, um den du ihn nie gebeten hättest. Die Aussicht, dass du
deine Aufmerksamkeit wirklich auf den Wahlkampf verlegen kannst, erfüllt dich
plötzlich mit Missmut. Du hast keinen Bock dich auf die Pressetermine zu
konzentrieren. Ein kindischer Zug, zu egoistisch in deinem Verlangen, nachdem
Isaac klargemacht hat, dass er kein bewusster Stolperstein auf deinem Weg sein
will.
Hakst
nach, „Die Auszeit ist folglich keine spontane Flucht?“
Ironisch
von ihm, „Siehst du mich rennen, Nate?“
Er zieht
dich zurück ins Bett. Es ist Dienstag und dein nächster Termin ist noch drei
Stunden entfernt. Isaac gibt dir die Möglichkeit und du verlegst dich auf die
Ausführung derselbigen. Sein Lächeln ist das erste Mal gelöst und du erwiderst
es ohne Vorbehalte.
Ohne den
dunklen Wolken Beachtung zu schenken, die sich am Horizont auftürmen.
Schlafwarmer
Körper unter deinen Händen, trüber Herbstmorgen.
Suchenden
Lippen und du fragst dich, was du in ihm findest, das dich nicht zur Ruhe
kommen lässt. Das dich so aufreibt und gegen deine Prinzipien verstoßen lässt.
Dass die Antwort ausbleibt, ist vielleicht das Eingeständnis, dass du zuviel
fühlst, um es in Worte und Formeln zu packen. Die Anziehung fühlt sich nicht
fatal an, wird durch widerwilligen Respekt gemildert und du atmest gegen seine
Brust. Wirst furchtloser. Gedankenloser.
Dass du
es mit der Welt aufnehmen kannst, ist nicht neu.
Nur das
Gefühl, dass du vielleicht sogar gewinnen könntest.
That you can’t feel this anymore.
„Nicht
das Bild, das ich zu finden, gehofft habe.“
Du wirst
aus dem entspannten Halbschlaf gerissen, „Verdammt.“
Peters
Stimme ist Eiswasser für deine erwachte Nonchalance.
Starrst
geschockt auf deinen Bruder keine zwei Meter vom Bett entfernt. Dass du erneut
weggenickt bist, zeigt nur, dass Isaac trotz Muskeln und Sehnen ein gutes
Kissen abgibt. Oder zu anstrengend für dich ist. Warmes Schulterblatt unter
deiner Wange und deine Finger streichen beruhigend über Isaacs Seite.
Die Geste
ausreichend. Er bleibt liegen, dreht sich nur tiefer in deinen Körper, trotz
uneingeladenem Besuch. Desinteressiert von ihm, „Das Sorgenkind ist zurück? Wow.“
Peter
klingt zu gönnerhaft für deine Ohren, „Würde es dir was ausmachen, die ungeahnte
Wende zu erklären?“
„Sicher,
wenn du deinen Abgang aus dem Krankenhaus rechtfertigst, ohne dabei wie ein
kopfloser Vollidiot rüber zukommen.“ Das gönnerhafte Lächeln verschwindet und
du gibst Peter trotzdem eine kurz angebundene Erklärung, die er sich nicht
verdient hat, „Eine Verkettung von Umständen, die mit deinem Untertauchen ihren
Anfang nahm.“
„Und Ma wollte mich als schwul verkaufen, um für dich die
liberalen Stimmen einzukassieren. Sie wird so glücklich sein, dass du diese
Aufgabe aufopfernd selbst in die Hand genommen hast. Irgendwie poetisch. Denn
dein Frauenheld-Image hat mich schon immer
misstrauisch gemacht, Nathan.“
Peter
kann ein Arschloch sein, nur sind das keine Neuigkeiten.
Dein
selbstbewusstes Grinsen sagt, dass es in den Genen liegt, „Nachdem du mich also
gefunden hast, kannst du erneut verschwinden.“ Sarkastisch, „Ich habe keine
Ahnung, warum ich dich überhaupt vermisst habe, Bruderherz.“
Allein
das Funkeln in Petes Augen sagt dir, dass du seine Antwort nicht unbedingt
hören willst und Isaac kommt ihm zuvor. Unbeeindruckt in die Kissen genuschelt,
„Hatte es nicht was mit einem explodierenden Mann zu tun?“
Womit
Petes Höhenflug ein abruptes Ende nimmt, „Ich stecke in Schwierigkeiten,
Nathan.“
„Nichts
Neues an dieser Front, huh? Das hätte ich dir vor deinem Houdini-Akt
sagen können. Dennoch sieht die Verkörperung des Leiden Christi anders aus,
Peter.“
Der
grinst wieder und du blickst nachdenklich auf den verwuschelten Haarschopf
oberhalb deines Sichtfeldes. Die Idee nimmt Konturen an. Zwei Fliegen mit einer
Klappe, „Ihr werdet eine exzellente Fahrgemeinschaft für eure Auszeit abgeben.
So viele peinliche Kindheitsgeschichten, die man austauschen kann und die
besten Wege Simone und mich um den kleinen Finger zu wickeln.“
Geteiltes
Entsetzen, das dich gebündelt trifft, als Isaac dich abwirft, um dir ins
Gesicht zu starren, bestürzt, „Nate, das ist nicht dein Ernst.“
Du
erstickst den Widerspruch im Keim, „Hat jemand einen besseren Plan, als die
ehemaligen Atomtestgebiete zu besuchen? Du hast selbst gesagt, dass ich einen
Stein ins Rollen bringe und ich entscheide mich für diesen.“
Isaacs
Missmut ist offensichtlich, aber sein Protest bleibt unartikuliert.
Beschwichtigend
von dir, „Gut, viel Spaß und seht es als wohlverdienten Urlaub.“
Damit
stehst du auf und machst dich auf Kleidersuche, Peter folgt dir auf dem Fuße,
„Du weißt, wie meine Kräfte funktionieren.“
Die
Boxershorts ist dekoratives Bündel unter einem Bild, die Farbflecken kritisch
betrachtend, „Du saugst sie aus deiner Umgebung auf. Hey,
Pete, Einspruch abgelehnt.“
„Du warst
derjenige, der sagte, dass er nur Katzen von Bäumen holen kann.“
„Immerhin
habe ich kein Rennen um die Freiheitsstatue vorgeschlagen.“ Die Anzughose
scheint die Nacht auf dem Boden unbeschadet überstanden zu haben und du ziehst
sie an. Illustrative Beweisführung zu Gunsten des Starrsinns deines Bruders, „Hör
zu, ich lasse mir was einfallen. Aber ich kann klarer denken, wenn du nicht
über meine Schulter schielst und potentiell das nukleare Strahlen anfängst,
weil du deine Kräfte nicht im Griff hast.“
„Yeah,
ich werde an den Geigenzähler denken, während ich mit deinem Liebhaber
abhänge.“ Peter überdenkt den Satz, dann nachdrücklich, „Reich endlich die
Scheidung ein, Heidi hat deine Betrügereien nicht verdient.“
„Brillanter Vorschlag, Pete, wann bist du zu ihrem Anwalt mutiert? Huh, hast du Scheidungsrecht und Eheberatung von irgendeiner unschuldigen Seele aufgesogen? Oder doch nur mit einem Wälzer unter dem Kopfk